Momente | Krakau 2019

Es muss einen Punkt in meiner Vergangenheit gegeben haben, an dem ich zu vergessen begann, wie sehr ich es liebe, unterwegs zu sein: Stundenlang aus dem Fenster schauen, während die Landschaften vorbeiziehen, in Buchhandlungen stöbern, wenig schlafen und sich rastlos von Eindruck zu Eindruck stürzen. Dann lud mich kleine Gruppe Erasmus-Studentinnen ein, sie auf einer

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3 Dinge | Krakau 2019

Eindrücke eines Wochenendes. Die ersten Sonnenstrahlen des Wochenendes. Ich las aus Frankenstein vor. Wir lachten über die blumigen Passagen, in denen der Roman schweizerische Landschaften beschreibt, und darüber, wie wenig er auf die Entstehung des Monsters eingeht. Dann dieser Ausdruck: «Die Insassen meiner Brust». Das Herz, die Lunge, das Blut in unseren Adern – nur

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Geschichten eines Tages | Krakau 2019

«Manche Geschichten sind wahr und manche Geschichten sind schöner, wenn man sich vorstellt, dass sie wahr sind.» Die Stadtführerin zeigte mit einer Hand auf die alten Gebäude, die Krakaus Marktplatz prägen. Die Kirche, die Tuchhallen, die bunten Häuserfassaden, das Mickiewicz-Denkmal – als wollte sie die tausend Legenden und Mythen wieder heraufbeschwören, auf denen Krakau einst

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Über Alltagsgeheimnisse

Mittlerweile bin ich angekommen. Mittlerweile steige ich morgens in die richtige U-Bahn und biege auf dem Weg zur Arbeit am richtigen Ort rechts ab, weiss, welcher Fahrstuhl in den fünften Stock fährt und dass das Damen-Klo ganz am Ende des Flurs ist. Ich habe den Aldi 300 Meter von meiner Wohnung entdeckt und mich dann

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Über die schönste Stadt Deutschlands

Vor fünfundvierzig Stunden bin ich für ein Praktikum bei der ZEIT nach Hamburg gezogen; und so gerne ich mich diesen Satz sagen höre, so ernüchtert bin ich auch angesichts der Tatsache, dass jeder Traum mit einem Berg von Bürokratie einhergeht. Ein Bankkonto anzulegen etwa, stellte ich mir unkompliziert vor: «Hallo, ich möchte Ihre Kundin sein!»

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Über meinen Emanzenverein

Seit drei Jahren bin ich in einem kleinen Buchclub, der alle paar Monate zusammenkommt. Wir sind wirklich klein, meist zu viert, in letzter Zeit auch nur zu dritt, alle Studentinnen. Wir kennen uns über die Webseite Goodreads, auf der Emma Watson damals ihren Buchclub, Our Shared Shelf, gründete. Mit ihrer Rede über die Wichtigkeit des

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Über das Geschenk der Schönheit

«Kleines Prinzesschen: Meine Gabe sei das Geschenk der Schönheit!» Rückblickend erscheint mir die Anfangsszene von Disney’s Dornröschen, in der die Feen die neugeborene Prinzessin Aurora mit drei guten Wünschen segnen, etwas antiklimatisch: Ich komme schlicht nicht umhin zu denken, dass Feen bessere Zauber auf Lager haben als blonde Haare und rote Lippen. Die zweite Fee

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Über den Sinn eines Ostermarschs

Es gibt ein Bild von Fritz Hartnagel, dem Freund der Widerstandskämpferin Sophie Scholl, auf dem er in alten Jahren von zwei Polizisten während eines Friedensmarschs davongetragen wird. Er wirkt ganz glücklich darüber, dass er sie verärgert hat. Ich dachte an ihn, als ich heute am Ostermarsch in Bern mitmarschierte. So anders ist meine Zeit schliesslich

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Über Freude und Träume, die wahr werden

«Glee» ist eines meiner Lieblingswörter der englischen Sprache.  Es ist kurz und kitzelt, und als ich mit fünfzehn Englisch lernte, dachte ich, «Glühwein» würde mit «Glee Wine» übersetzt. Freudenwein. Als mir im Austauschjahr in Neuseeland angeboten wurde, dem «Glee Club» beizutreten, fand ich dies mehr als verlockend: Einen Entzücken-Verein gibt es doch nicht an jeder

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Was ist mit Weihnachten? (in Honduras)

Die Weihnachtszeit hat endlich begonnen; die Weihnachtsmärkte sind offiziell eröffnet und Lorelai Gilmore riecht den ersten Schnee in der Luft – all is merry and bright. Und dennoch: Als ich beim Frühstück auf mein Handy blickte, überfluteten mich Nachrichten aus Honduras. «Ich habe Angst. Chaos.» «Nicht einmal ruhig schlafen konnten wir.» «Ich habe für mich

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Eistänzer (Don’t Stop Me Now)

Ich lobe mir den Sommer in Bern: die langen Tage, die musicalreifen Szenen, wenn die Menschen mit Musikboxen auf den Schultern und im Badeanzug einkaufen gehen, das skurrile Versprechen, das wir dem blauen Himmel abnehmen, dass wir heute den Gesetzen der Schwerkraft trotzen können. Ich lobe mir DON’T STOP ME NOW in der Endlosschleife, weil

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Harry Potter und wir verwunschenen Kinder

Die Menschen in der Schlange vor dem Palace Theatre in London waren alle zwischen zwanzig und dreissig Jahre alt. Wenn ich mir Gesichter besser merken könnte, hätte ich vielleicht sogar jemanden von dem Mitternachtsverkauf von 2008 wiedererkannt. Ich wusste, ohne fragen zu müssen, dass diese Menschen hier vor zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren auf einen Brief

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