Tag 25 — Chim-Chim-Chiminike!

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„Un mundo lleno de color y magia!“ – „Eine Welt voller Farben und Magie!“ Das ist mein neues Leben hier in Honduras!
Ganz unter diesem Motto steht auch meine Arbeit im Projekt, mit der ich letzte Woche angefangen habe. Ich verstehe, dass viele sich vorstellen, wie ich hungernden Kindern Hoffnung schenke und ein Lächeln auf ihre ausgemergelten Gesichter zaubere, aber die Wahrheit ist, dass sich meine Arbeit kaum für ein Werbevideo von Unicef eignet. Mein Projekt heisst Chiminike und ist ein interaktives Kindermuseum, das acht Räume zu verschieden Themen beherbergt. So gibt es im Cuerpo Humano — Menschlichen Körper das Modell eines Verdauungssystems, durch das man rutschen und kriechen kann, im Medio Ambiente — Umwelt kann man eine Seifenblase von innen erleben und im Energía — Energie kann man sich auf ein Nagelbett legen. Meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit fünfzehn anderen Angestellten die Kinder durch die Räume zu führen. Mit anderen Worten: Ich kann mittlerweile auf Spanisch das Verdauungssystem erklären (das konnte ich ja noch nicht einmal auf deutsch!) und wie Bäume aufgebaut sind. Ausserdem haben die anderen so genannten Guías Educativos ein Repertoire von gut dreissig Kinderliedern und -spielen, von denen ich natürlich nicht die Hälfte verstehe! Die Kinder (oft kommen ganze Schulklassen) werden mit Aufwärmespielen im Foyer auf ihren Museumsbesuch vorbereitet. Sind keine Kinder da, gibt es dieselben Spiele für die Guías. Als ich gebeten wurde, eine solche Dinámica anzuleiten, war ich natürlich zunächst komplett überfordert mit der Sprache, aber Fremdsprachen sind der Hit in einer Gruppe, die nur Spanisch kann, und so haben am Ende fünfzehn Honduraner die erste Strophe von Mani Matters „Ds Zundhölzli“ mit mir gesungen!

Aufwärmespiel mit den Guías Educativos
Aufwärmespiel mit den Guías Educativos

Das Museum ist ein spannender Ort, um die Kultur Honduras‘ zu beobachten. Zum Beispiel allein die Tatsache, dass niemand Englisch kann und das obwohl alle zwischen siebzehn und fünfundzwanzig Jahren alt sind und aus der schmalen Mittelschicht stammen. Das Problem ist eben, dass die meisten Schulen die Globalisierung nicht mitgemacht haben und Englisch nach wie vor einen geringen Stellenwert hat.

Dann die Geschlechter: Kommt eine Schulklasse, so sind Mädchen und Jungen immer streng von einander getrennt. Da sieht man, wie sich diese Kultur schon in der Kindererziehung entwickelt. Allgemein gilt: Mann vor Frau, Alter vor Jugend und Gast vor Gastgeber. Oder um mein absolutes Lieblingsbeispiel zu nennen: Letzte Woche gingen mein Gastbruder, Jesua, und ich in eine Bar; wir kamen aber zunächst nicht rein, weil er noch nicht fünfundzwanzig ist. Er, nicht ich. Ich komme überall rein, weil ich eine Frau bin, ganz egal, ob ich nun vierzehn oder vierunddreissig bin! Als Mann erinnert man sich dann ziemlich schnell an die Tatsache, dass Honduras ein Land ist, in dem man sich seinen Führerschein kaufen kann!

Doch zurück zu Chiminike. Was mir als Schweizerin am krassesten auffällt, ist die Freundlichkeit, mit der ich behandelt werde. Nach nur zwei Wochen fühle ich mich schon ein Teil in dieser Familie, die Chiminike ist. Ich werde ständig und beharrlich in Gespräche aufgenommen, obwohl ich mit meinem Spanisch manchmal doch noch nicht ganz mithalten kann. Die Unterstützung ist so gross, dass es mir manchmal nicht von dieser Welt scheint (es gibt aber auch sehr nette Leute in der Schweiz, das will gesagt sein)!

Gruppenbild auf dem Molekül-Klettergerüst
Gruppenbild auf dem Molekül-Klettergerüst

Das einzige Problem, das sich mir stellt, ist der öffentliche Transport. Da ich bis Ende nächste Woche noch den Sprachkurs besuchen muss, muss ich jeden Mittag vom Projekt zum Büro der Organisation. Nur leider fährt kein Bus. Natürlich wären es zu Fuss knappe fünfzehn Minuten, aber leider fehlen die Gehsteige (es fehlt eben an allem in Honduras). Der beste Tipp, den ich erhalten habe, „Such dir einen Freund, der ein Auto hat!“, ist auch so ziemlich der einzige, der mir gegeben wurde. So viel zu meinem Traum der Selbständigkeit! Ich bin dem Ratschlag aber zumindest zur Hälfte nachgegangen und werde nun von Milovan gefahren, der mich auf dem Weg zur Universität absetzen kann. Für die Honduraner ist es kein Thema, dass sie die Leute fahren, ganz besonders wenn es sich um Ausländer handelt!

Es ist ein gutes Leben in Honduras, und auch wenn ich die Welt nicht rette, so schaffe ich es vielleicht doch, jeden Tag jemanden zum Lächeln zu bringen, und das –so kitschig es auch klingen mag– ist ein kleiner Erfolg!

Einen kleinen (sehr verkitschten) Einblick in meine Arbeit bietet dieses Video:

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