Tag 34 — Gagi

One comment

Alles muss einmal raus, die Wahrheit, die Liebe und Verdautes. Und die Wahrheit ist, dass mein Verdautes viel zu willig wieder rauskommt! Lonely Planet nennt dieses Phänomen „Traveller‘s Diarrhea“. Zu viel Informationen, das hätte ich besser nur meinem Tagebuch anvertraut? Tja, habe ich, aber es musste eben raus!

Die honduranische Vorstellung von Milch!
Die honduranische Vorstellung von Milch!

Laut Lonely Planet gibt es verschiedene Faktoren, die dazu führen, dass alles meinen Körper in flüssigem Zustand verlässt: Jetlag, Stress, Essenumstellung, verseuchtes Essen, Pulvermilch (müsste Lonely Planet eigentlich aufnehmen!)… doch um es kurz zu fassen: Honduras ist für Neuankömmlinge einfach im wahrsten Sinne des Wortes Scheisse!

Bohnenbrei mit Chips und Plátano
Bohnenbrei mit Chips und Plátano

Ich möchte nichts gegen das Essen sagen, das mir vorgesetzt wird, ich liebe die Bohnen und die Tortillas und die Plátanos, alles ist sehr traditionell honduranisch hier. Als würde man bei uns als Beilage immer Fondue essen!

Sehr beliebt sind auch die kitschigen, extrem überversüssten Kuchen, die es zu jedem besonderen Ereignis gibt. Gestern, Valentinstag, war natürlich Kuchen- und Kitschtag! Der Sitzungssaal in Chiminike war mit Ballonen vollgestopft, es gab Kuchen und Süssigkeiten zum Umfallen, ich wurde ermahnt, dass ich bald eine „Gordita“ sein würde (googelt das selber) und generell wurde im ganzen Land mit Liebe und Rosen um sich geworfen.

Valentinstag in Chiminike
Valentinstag in Chiminike
Fröhlicher Valentinstag!
Fröhlicher Valentinstag!

Chiminike hat sehr viel zu geben. Gestern Morgen kam eine Gruppe von dreissig geistig und körperlich behinderten Kindern und zum ersten Mal erfuhr ich, wie schwierig und wie einfach es ist, sich um sie zu kümmern. Sie erfordern absolute Aufmerksamkeit, sei es beim Essen oder beim Schieben des Rollstuhls – und zugleich ist es so leicht, ihr Freund zu sein! Diese Menschen haben die reinsten menschlichen Bedürfnisse und es ist etwas Wundervolles, wenn sie lachen, weil es von ganzem Herzen kommt! Chiminike ist kein Projekt, dem ich helfe, es ist ein Projekt, in dem mir geholfen wird!

Ach, und der Stress! Ach, was stresst dich denn nach einem Monat Honduras noch??? Tja, nach einem Monat Honduras musste ich endlich lernen, alleine den Bus zu nehmen! Mein Gastbruder, Schrägstrich Fahrer, Jesua, ist diese Woche nach England abgereist und nun heisst es „tomar el bus“! Der Bus, den ich nehmen muss, heisst Rapidito – und es ist ein Abenteuer!

1.) Es gibt keine Haltestellen, ich stehe einfach am Strassenrand und winke.

2.) Der Bus hält nicht, er wird lediglich langsamer und ich springe auf.

3.) Es gibt keine Haltestellen, sobald ich mein Ziel sehe, rufe ich dem Fahrer zu, dass ich aussteigen will, zahle und hüpfe raus!

In welcher Welt ist das für eine Schweizerin nicht stressig?!

Improvisierte Haltestelle (© by Victoria Särnhult)
Improvisierte Haltestelle (© by Victoria Särnhult)
Verkehr in Tegucigala (© by Victoria Särnhult)
Verkehr in Tegucigalpa (© by Victoria Särnhult)

Tryg, mein Freund aus Island, wurde gestern in einem der grösseren Busse ausgeraubt (ziemlich Scheisse, und „wer raubt Leute schon am Valentinstag aus?!“) – die Diebe seien aber (trotz gezücktem Messer) „echt nett“ gewesen! Okay, sie haben ihm tatsächlich den Ausweis und die Kreditkarte zurückgegeben (es war eben wirklich Valentinstag)!
Ich habe keine Angst, den Bus zu nehmen. Solche Dinge geschehen selten und wenn, dann aus rein materiellem Interesse. Und wer weiss schon, ob der Räuber nicht auch eine Familie zu versorgen hat? Zur Sicherheit lohnt es sich aber, grössere Geldbeträge im BH mit sich zu tragen und schwanger auszusehen!

Sonnenuntergang über Santa Lucia
Sonnenuntergang über Santa Lucia

Doch wenden wir uns freundlicheren Themen zu! Heute Nachmittag war ich mit zwei anderen Voluntarios in Santa Lucia, einem kleinen Ort wenig ausserhalb von Tegucigalpa. Es ist einer dieser Orte, an denen man einfach sein kann, bis die Sonne untergeht, und man sich einfach irgendwie unendlich fühlt.

Nun ist alles raus: Meine Bohnen, Trygs Geld, mein Gastbruder – die ganze Wahrheit eben. Bleibt nur eine Frage offen: Warum gibt es hier keine Klobürsten? Ernsthaft, die Dinger sind nicht als originelle Zahnbürsten gedacht! Nun, in der Welt, in der ich lebe, putze nicht ich das Klo (ein Wunder, dass ich meinen eigenen Hintern selber putzen darf!) und wie so oft lebe ich nach der Regel: nicht fragen, einfach akzeptieren!

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1 comments on “Tag 34 — Gagi”

  1. Hoi! was heisst ‚Gagi‘ genau? Heinz de Specht singed:
    Derf mer sin Gagi au usswärts luut i d‘ Schüssle plumpse laa?
    Ich glaub das derf mer nöd und da halt ich mich au dra!

    Gefällt mir

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