Tag 120 — Geschichte schreiben

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We‘re all stories in the end. Just make it a good one, eh? Doctor Who

Holaaaa Jorgitoo! Frühmorgens in Chiminike
Holaaaa Jorgitoo! Frühmorgens in Chiminike.
Gruppenspiel am Mittag
Gruppenspiel am Mittag

Es ist einfach, den Wert eines Augenblickes zu vergessen, bevor er zu einer Erinnerung geworden ist. Letztlich sind wir nur das: Erinnerungen. Eine Geschichte. Ein Witz. Und manchmal sind wir so beschäftigt damit, glücklich zu sein, dass es uns entgeht, den Moment festzuhalten. Denn Momente gehen schmetterlingsflügelzart vorbei, und dass wir sie nicht einfangen und behalten und noch einmal leben können, ist das Schönste und Traurigste, das es gibt. Wir können uns weder den Anfang noch das Ende unserer Geschichte aussuchen, noch haben wir viel in der Mitte zu sagen, aber was wir unseren Erinnerungen geben können, ist die Farbe! Eine gute Geschichte soll sie aus ihrem Leben machen, sagt Doctor Who in „The Big Bang“ zu Amelia, als er sie verlässt – und das ist letztlich der einzige Ratschlag, dem es zu folgen gilt.

Die Siegermannschaft, Turno B
Die Siegermannschaft, Turno B
#Todossomosmacacos – Carlos feiert den Sieg mit einer Banane
#Todossomosmacacos – Carlos feiert den Sieg mit einer Banane

Mein Leben erscheint mir manchmal wie ein Bild, das aus Action Painting entstanden ist: Intensiv und kraftvoll, ohne richtige Struktur und dessen Sinn noch zu interpretieren ist.
Der wohl intensivste Teil meines Lebens hier in Honduras ist meine Arbeit im Museum. Es gibt Tage, an denen ich abends keine Stimme mehr habe vor lauter singen und Bäume und Nasenlöcher erklären. Aber Chiminike ist wirklich eine Familie und nach der Arbeit ist meistens noch lange nicht Zeit, nach Hause zu gehen. Am vergangenen Freitag veranstalteten wir ein Fussballspiel zwischen den Männern der Morgengruppe (Turno A) und jenen der Nachmittaggruppe (Turno B). Fussball ist hier das wichtigste überhaupt (was man nicht unbedingt hätte meinen können, wenn man diesen jungen Männern beim selber Spielen zusah). Den grössten Spass hatten wir vermutlich beim Zusehen und Anfeuern – „Yo si me voy me voy con mi B!“ war eines der zunächst originelleren Liedchen, bis wir schliesslich bei den Kinderliedern vom Museum landeten!

v.l.n.r. ich, Linda, Sloany & Kely vor der Basilika Suyapa
v.l.n.r. ich, Linda, Sloany & Kely vor der Basilika Suyapa
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Die Basilika Suyapa

Ausserhalb des Museums bin ich fleissig meine To-Do-Liste am Abarbeiten. Letzte Woche besuchten wir die Basilika Suyapa, die gleich hinter meinem Haus steht. Nur in Honduras, scheint es mir, sagt der Sigrist kein Wort, wenn vier Mädchen durch eine Kathedrale rennen und Hüpfphotos von sich machen. Aber so ist Honduras – als wir danach einen Bus zur Universität nahmen, um essen zu gehen, entdeckten wir Jorge, der uns bei der Kirche hatte treffen wollen, aber wie immer zu spät kam; auf unser Kreischen hin, fuhr der Bus gute fünfzig Meter im Rückwärtsgang, um ihn aufzulesen!

v.l.n.r. Alma, Kely, Mariel, ich, Vicky, Sloany, Linda & Milovan
v.l.n.r. Alma, Kely, Mariel, ich, Vicky, Sloany, Linda & Milovan
"Seht her, La Suiza macht Tortillas!"
„Seht her, La Suiza macht Tortillas!“

Diese Woche haben wir bei mir zu Hause gestartet und Baleadas gemacht – ein Fladenbrot, gefüllt mit Frijoles (Bohnen), Rührei und Avocado. Es ist mein absolutes Lieblingsessen hier in Honduras. Ebenfalls nur hier in Honduras gelingt es, von einem Abendessen mit Freunden über zweihundert Photos zu machen!

Das Leben ist eine Geschichte, und so wie  ich das sehe, verschwenden wir zu viel Zeit damit, nach einem roten Faden zu suchen. Das Leben ist keine Linie, der wir zu folgen brauchen, es ist tausend kleine Momente, in denen wir lachen und weinen, die uns zum Staunen bringen oder wütend machen. Leben ist fühlen, was echt ist.

Eine fertige Baleada mit allem, was dazugehört!
Eine fertige Baleada mit allem, was dazugehört!

Und das ist Honduras für mich. Mit den Fingern essen, Milovans Umarmungen (weil er sich fast auf die Zehenspitzen stellen muss, um grösser zu sein als ich), die Abende mit der Haushälterin, wenn sie mir die Seifenopern beschreibt und ich ihr von meinem Tag erzähle, Sloanys Witze, die nicht witzig sind… Augenblicke wie ein Schmetterling auf der Flucht vor dem Winter – und das ist es, was sie so unglaublich kostbar macht.

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