JEIN zur Durchsetzungsinitiative

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Am Sonntag stimmen wir über die Volksinitiative «Zur Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländer» der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ab. Die Initiative verlangt die verschärfte Umsetzung der Ausschaffungsinitiative von 2010. Demnach wäre die Ausschaffung von Asylsuchenden nicht nur in Härtefällen wie Vergewaltigung, Mord oder Körperverletzung umsetzbar, sondern bereits nach dem Vorkommen kleinener Delikte wie Ladendiebstahl oder Beamtenbeleidigung.

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Einen Menschen in ein Land zu schicken, das nichts als Krieg, Elend und Hunger zu bieten hat, nur weil er mal eben mit einem Filzstift was auf eine Parkbank gekritzelt hat, ist natürlich in jeder Hinsicht menschenunwürdig. Aber wenn wir den Tatsachen ins Gesicht schauen, dann müssen wir unverweigerlich feststellen, dass gut die Hälfte der Schweizer Staatsbürger einfach Angst hat. Und warum auch nicht? Erinnert ihr euch an Paris? Oder an Köln? Wer sagt denn, dass ein YB-Match wirklich sicher ist? Da denkt man an nichts Böses, und auf einmal – PENG! Und sind nicht jedesmal, wenn etwas Schlimmes passiert, irgendwie Muslime mit am Werk?

Natürlich sind das nicht alle Muslime. Das ist wie mit den Deutschen – da hat einer mal eben auf einem Strand auf Mallorca vorsorglich sein Handtuch ausgebreitet, und schon schreit alle Welt auf, wenn sie Deutsche auf dem Weg ins Strandbad sieht. Aber Leute, ich kann euch beruhigen: ich war schon mal in Deutschland und mir hat nie jemand Kraft seines Handtuches den Sitzplatz in der U-Bahn verweigert. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir diesen einen Deutschen mit seinem Scheiss-Handtuch gesehen haben und uns nun fragen: Was, wenn alle anderen insgeheim auch so sind?!

Ich möchte eine Gegeninitiative vorschlagen. Die Initiative für mehr Toleranz. Klingt nett, oder? Ich möchte, dass Deutsche mit einem Handtuch unterwegs sein können ohne Angst und Schrecken zu verbreiten. Ich möchte, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen und religiösen Orientierung Opfer von Vorurteilen werden. Vorallem aber möchte ich, dass jede Schweizerin ihre Angst vor Immigranten zum ausdruck bringen darf, ohne als rechtsradikal bezeichnet zu werden.

 Es fällt mir nicht schwer, über Bendrit Bajras Video zu lachen, wenn er Erich Hess als Nazi bezeichnet, oder am Müslüm-Konzert mit allen anderen laut mitzusingen: «Erich Hess-Hess-Hess, so viel Stress-Stress-Stress!» Aber eigentlich sähe der Konflikt anders aus, wenn wir die Toleranz, die wir von Befürwortern der Initiative so ausdrücklich verlangen, selber an den Tag legen würden. Anstatt Hess zu verfluchen, einmal anerkennen, dass der einfach Schiss hat. Und mit ihm die halbe Schweiz.

Menschen, die Angst haben, sind nicht böse. Aber Angst führt zu Wut und Hass, aus Angst  steigt irrationaler Rassismus, Homophobie oder Frauenfeindlichkeit. Was wir im Kampf gegen alle diese Dinge missverstehen, ist, dass wir an das Gute im Menschen appellieren müssen. An die Menschlichkeit. An die Nächstenliebe. An den Humor. Wir können mit Hass auf SVP-Politiker reagieren oder wir können uns mit Liebe der Flüchtlingsarbeit widmen. Wir können Feuer mit Feuer zu löschen versuchen oder einen Brunnen ausgraben. Wir haben die Wahl.

Ich werde am Sonntag NEIN stimmen. Ich bin selber ein schwarzes Schaf, ich habe doch schliesslich auch schon einmal Marhiuana geraucht und in einer Bar ein Shotglas mitgehen lassen. Ausserdem freue ich mich über die vielen Asylanten. Ich werde arabisch lernen. Das ist meine Chance für einen Sprachaufenthalt, ohne auch nur meine Stadt zu verlassen! Und ich hoffe, dass mindestens fünfzigeinhalb Prozent der Stimmberechtigten ähnlich denken wie ich.

Reinhard Mey dichtete einmal für seinen Sohn:

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Ich denke, es ist ein Akt der Menschlichkeit, gegen die Durchsetzungsinitiative zu stimmen. Und ich denke, dass es unsere Aufgabe ist, menschlich zu handeln.

Ich denke aber auch, dass es ein Akt der Menschlichkeit ist, jene, die am Sonntag JA stimmen, nicht als Unmenschen zu bezeichnen. Zu verstehen ist vielleicht das menschlichste, das wir je tun werden.

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1 comments on “JEIN zur Durchsetzungsinitiative”

  1. Vielleicht solltest Du Dir mal übelegen wie sehr dich Christen und Sozialisten indoktriniert haben und wie abscheulich die Verbrechen der Christen und Sozialisten in der Vergangenheit waren. Proboers mal aus! Danke!

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