Am Ostermarsch

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Ostern ist doch irgendwie ein seltsames Fest. Muss man sich da Geschenke machen? Was soll die Legende vom Osterhasen, feiern wir nicht den Tag, als Jesus von den Toten auferstanden ist? Und was haben Hasen und Ostereier gemeinsam? Heute habe ich mich einer neuen Tradition angeschlossen. Neu, zumindest für mich. Ich nahm am Ostermarsch in Bern teil!

Seit ich vor drei Jahren das Theaterstück zu Sophie Scholl schrieb, nahm ich mir immer wieder auf‘s Neue vor, am Ostermontag mit einem Transparent auf die Strasse zu gehen. Seit drei Jahren steht auf meinem Bücherregal dieses Bild von Fritz Hartnagel, dem Freund von Sophie Scholl, der sich nach ihrem Tod aktiv gegen den Einsatz von Atomwaffen undfür die Bewahrung der Schöpfung und Friedens einsetzte. Es entzückt mich noch immer, dieses Bild, dieser lachende Herr, der da von den Polizisten weggetragen wird, der diese ganze schreckliche Geschichte mit sich herumträgt, und der einfach trotzdem lacht.nonameNun, da uns kein Weltkrieg mehr im Nacken sitzt und der Kalte Krieg seinen Schrecken verloren hat, haben die Ostermärsche scheinbar an Wichtigkeit verloren; trotzdem schlenderten heute tausend gutgelaunte Leute der Aare entlang, ohne Megaphon, ohne Geröle von Parolen; es waren tausend Menschen, die symbolisch auf die Strasse gingen, weil ihnen die Schicksale dieser Millionen Flüchtlinge nahe gehen, weil sie sich durch einen weiteren Terroranschlag in Paris, in Brüssel, in Pakistan nicht abstumpfen lassen, weil sie verrückt und vielleicht auch stark genug sind, um an eine bessere Welt zu glauben. Und ich war mitten unter ihnen.

Wird sich wirklich etwas ändern, nur weil tausend Menschen einen Spaziergang durch Berns Altstadt gemacht haben? Werden wir jetzt mehr Flchtlinge aufnehmen? Haben wir ein Selbstmordattentat verhindern können? Nein, natürlich nicht, spricht die Stimme des Skeptikers in mir. Aber wir sind nicht allein, die Optimisten, die Träumer, die Hoffnungsvollen. Und wir zeigen uns, und vielleicht ist die Welt schon dadurch ein kleines bisschen anders, dass wir nicht mitmachen beim Fremde hassen und in den Krieg Ziehen. Vielleicht wird die Welt schon ein ganzes Stück besser, wenn wir uns nach unserem Gewissen richten und wir uns als Teil dieser Welt fühlen.

Sophie Scholl schrieb einmal:Bild 26Ich sah heute tausend Menschen unter einem blauen Himmel versammelt, die lachten und Suppe assen und im Takt zur Musik wippten, und sie alle glauben an eine gerechte Welt. Und sie alle haben den Mut, daran zu glauben.20160328_150247Vor zweieinhalb Jahren führten wir mit dem Theaterensemble die Geschichte von Sophie Scholl auf, und ich musste lachen, als ich sah, wie Valentina und Tobias noch immer nicht aus ihren Rollen geschlüpft sind. Wie sehr sie mich noch immer an Sophie und Fritz erinnern, wenn sie in dieses Banner gehüllt dastehen und sich den Frieden wünschen.

Nein, ich glaube, der Mut vergeht uns noch lange nicht.

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