Über Freude und Träume, die wahr werden

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«Glee» ist eines meiner Lieblingswörter der englischen Sprache.  Es ist kurz und kitzelt, und als ich mit fünfzehn Englisch lernte, dachte ich, «Glühwein» würde mit «Glee Wine» übersetzt. Freudenwein. Als mir im Austauschjahr in Neuseeland angeboten wurde, dem «Glee Club» beizutreten, fand ich dies mehr als verlockend: Einen Entzücken-Verein gibt es doch nicht an jeder Schule. – Natürlich fand ich schnell heraus, dass es sich lediglich um eine Schülerband handelte und ich kein Instrument gut genug beherrschte, um mich anschliessen zu können.
Dass amerikanische Produzenten sich diesem Wort annahmen und eine liebevolle Fernsehserie dazu drehten, rührte mich deshalb.

«Glee is about opening yourself up to joy», ist das Motto der der Serie. Sie handelt von einem amerikanischen Glee Club, einer Schülerband, bestehend aus Aussenseitern, die sich in der Gruppe auf unerwartete Weise ergänzen. Bisexuelle Cheerleader, eine stotternde Asiatin, ein Schwuler mit Diva-Attitüden – Diversität wird mit allen Klischees dargestellt. Das Bewegende dabei ist die Liebe zur Menschlichkeit; alle Figuren sind zugleich unausstehlich und unfassbar liebenswert. Etwa, wenn das zickige Cheerleader ihrer besten Freundin ihre Liebe gesteht, oder wenn der Musiklehrer einen Transen-Chor aufbietet, um die Geschlechtsumwandlung des Sportlehrers zu unterstützen. Glee ist ein Symbol für Liebe und besonders auch für Selbstliebe: Niemand ist perfekt und niemand muss es sein. Auf dem Weg zu ihrem Schicksal lernen die Charaktere, dass anders-Sein nicht verachtenswert ist, auch wenn sie in der Schule dafür brutal gemobbt werden.

Es ist der Kampf kleiner Menschen, sich nicht von aussen definieren zu lassen, und es ist ein Plädoyer ans Träumen: «It’s not the broken dreams that break us, it’s the ones we don’t dare to dream.» Der Traum des Musiklehrers ist es, dass seine Schülerband, sein Entzücken-Verein, bestehen bleibt. Der Traum der Protagonistin, Rachel, ist es, den Broadway zu erobern. Der Traum des Footballspielers ist es, Lehrer zu werden. Kein Traum ist zu klein oder zu gross, um Wirklichkeit zu werden. In unserer dystopisch veranlagten Welt brauchen wir mehr von dieser Ermutigung: Wir dürfen träumen, wir dürfen die Welt bereits so sehen, wie wir sie gerne hätten, und es kostet Arbeit und Aufwand, aber es muss nicht immer alles scheitern. Glee heisst Freude und wer mit Freude arbeitet, kommt an sein Ziel.

Es ist eine kitschige Serie und in vielem sehr amerikanisch, aber dahinter verbirgt sich auch eine mutige und ehrliche Geschichte. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass eine Schülerband derart divers ist. Aber unsere Gesellschaft ist es, und wir können uns einer Auseinandersetzung nicht entziehen. Es ist die wahre Geschichte von Menschen, von Teenagern und Erwachsenen, die akzeptiert und geliebt werden wollen, die Angst haben und Fehler machen und die ihren Platz in der Welt noch finden müssen.
Und vielleicht ist dieser Beitrag ebenso pathetisch wie Glee selbst, aber da sind Werte drin, die mir am Herzen liegen: Ehrlichkeit, Mut, Liebe. Und die Freude an allem, was wir tun, denn:

«In its very definition, glee is about opening yourself up to joy.»

 

Beitragsbild: Quelle

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