Autor: Noemi Harnickell

Was ist mit Weihnachten? (in Honduras)

Die Weihnachtszeit hat endlich begonnen; die Weihnachtsmärkte sind offiziell eröffnet und Lorelai Gilmore riecht den ersten Schnee in der Luft – all is merry and bright. Und dennoch: Als ich beim Frühstück auf mein Handy blickte, überfluteten mich Nachrichten aus Honduras. «Ich habe Angst. Chaos.» «Nicht einmal ruhig schlafen konnten wir.» «Ich habe für mich

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Eistänzer (Don’t Stop Me Now)

Ich lobe mir den Sommer in Bern: die langen Tage, die musicalreifen Szenen, wenn die Menschen mit Musikboxen auf den Schultern und im Badeanzug einkaufen gehen, das skurrile Versprechen, das wir dem blauen Himmel abnehmen, dass wir heute den Gesetzen der Schwerkraft trotzen können. Ich lobe mir DON’T STOP ME NOW in der Endlosschleife, weil

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Harry Potter und wir verwunschenen Kinder

Die Menschen in der Schlange vor dem Palace Theatre in London waren alle zwischen zwanzig und dreissig Jahre alt. Wenn ich mir Gesichter besser merken könnte, hätte ich vielleicht sogar jemanden von dem Mitternachtsverkauf von 2008 wiedererkannt. Ich wusste, ohne fragen zu müssen, dass diese Menschen hier vor zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren auf einen Brief

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Was ich noch zu sagen hätte

Es ist natürlich kein Phänomen des 21. Jahrhunderts, dass, was wir zu sagen hätten, wir nur ungern gerade heraus tun. Was wir wirklich zu sagen hätten, bleibt meistens ein trauriger Konjunktiv. Und so weiss niemand, dass ich bei The Raven King weinen musste, als Ronan Adam küsste, und so weiss niemand, dass ich manchmal spät abends

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Mein Weihnachten

Weihnachten fängt schon im Oktober an. Dann erscheinen die ersten Auflagen von neuen Weihnachtsromanen, Schokoweihnachtsmänner stehen in den Supermarktregalen und mein Arbeitsplan für den Pakettisch landet im Posteingang meines Email-Kontos. Das ist mein Weihnachten. Die Vorfreude, die viel zu früh, viel zu kommerziell, viel zu kitschig wie ein Monsun über jede Stadt fällt. Es ist

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Der Marienkäfer

Wahrscheinlich war er auf der Suche nach einem Winterquartier. Sarah meinte das zumindest. Was sonst hatte ein kleiner, getupfter Marienkäfer an einem Freitagvormittag auch in einem überfüllten Seminarraum an der Uni zu suchen? Er krabbelte ganz zielbewusst über den Tisch, und Margret und ich, wir freuten uns schon über den kleinen Glücksträger, der uns da

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Die Eisdealerin

Manchmal kommt er mir vor wie eine Notaufnahme, der kleine Laden an der Marzilistrasse. Selbst bei starkem Regen stehen die Leute da dicht an dicht, gehen murmelnd alle Eissorten durch – welche passt am besten? Mare di Nutella gegen Herzschmerz, Sorbetto di Cioccolato gegen den Stress des Alltags, Himbeer-Ingwer für die Lebenslust und Fior di

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#Prayfor – Wofür denn eigentlich?!

#PrayforParis lautete der prominente Hashtag vor einem halben Jahr. Dann #PrayforBrussels, letzte Woche war es #PrayforNice, am nächsten Morgen #PrayforIstanbul. Heute Abend wird das Internet von #PrayforMunich-Hashtags überschwemmt. Es ist wie eine schlechte Seifenoper, das gleiche Konzept mit verschiedenen Locations, das Internet findet’s irgendwie cool. Dabei frage ich mich, wer denn tatsächlich betet für alles,

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High Street Shopping

London, Oxford Circus. Vierzehn Uhr, ein Montag. Eine Welle von Menschen trägt mich aus der U-Bahn und schwemmt mich zu den Ticketkontrollen vor dem Ausgang. Ich muss nach meiner Oystercard suchen und verursache prompt einen kleinen Stau; die Menschen hinter mir schimpfen auf deutsch, auf spanisch, auf italienisch – sie alle sind extra angereist, um

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All You Need Is Love

Wir beide im Café. Es ist der immer gleiche Austausch nach Wochen des Einander-Nicht-Sehens – «Wie geht es dir?» – «Gut. Dir?» – «Gut.» Uni, Arbeit, Familie sprechen wir kurz durch, dann stellst du die Frage, die du eigentlich schon von Anfang an stellen wolltest, obwohl du die Antwort schon kennst: «Und wie läuft es

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Denkst du manchmal noch an mich?

Denkst du manchmal noch an mich? Denkst du manchmal noch an unser erstes Mittagessen auf dem Boden im Flur? Hast du je daran gedacht, dass du es warst, die mich aufgefangen hat, Bevor ich an der Wirklichkeit zerbrechen konnte? Ich denk manchmal noch an dich und an das Knoblauchbrot und an die Tränen, Die wir

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