Autor: Noemi Harnickell

Der Marienkäfer

Wahrscheinlich war er auf der Suche nach einem Winterquartier. Sarah meinte das zumindest. Was sonst hatte ein kleiner, getupfter Marienkäfer an einem Freitagvormittag auch in einem überfüllten Seminarraum an der Uni zu suchen? Er krabbelte ganz zielbewusst über den Tisch, und Margret und ich, wir freuten uns schon über den kleinen Glücksträger, der uns da

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Die Eisdealerin

Manchmal kommt er mir vor wie eine Notaufnahme, der kleine Laden an der Marzilistrasse. Selbst bei starkem Regen stehen die Leute da dicht an dicht, gehen murmelnd alle Eissorten durch – welche passt am besten? Mare di Nutella gegen Herzschmerz, Sorbetto di Cioccolato gegen den Stress des Alltags, Himbeer-Ingwer für die Lebenslust und Fior di

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#Prayfor – Wofür denn eigentlich?!

#PrayforParis lautete der prominente Hashtag vor einem halben Jahr. Dann #PrayforBrussels, letzte Woche war es #PrayforNice, am nächsten Morgen #PrayforIstanbul. Heute Abend wird das Internet von #PrayforMunich-Hashtags überschwemmt. Es ist wie eine schlechte Seifenoper, das gleiche Konzept mit verschiedenen Locations, das Internet findet’s irgendwie cool. Dabei frage ich mich, wer denn tatsächlich betet für alles,

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High Street Shopping

London, Oxford Circus. Vierzehn Uhr, ein Montag. Eine Welle von Menschen trägt mich aus der U-Bahn und schwemmt mich zu den Ticketkontrollen vor dem Ausgang. Ich muss nach meiner Oystercard suchen und verursache prompt einen kleinen Stau; die Menschen hinter mir schimpfen auf deutsch, auf spanisch, auf italienisch – sie alle sind extra angereist, um

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All You Need Is Love

Wir beide im Café. Es ist der immer gleiche Austausch nach Wochen des Einander-Nicht-Sehens – «Wie geht es dir?» – «Gut. Dir?» – «Gut.» Uni, Arbeit, Familie sprechen wir kurz durch, dann stellst du die Frage, die du eigentlich schon von Anfang an stellen wolltest, obwohl du die Antwort schon kennst: «Und wie läuft es

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Denkst du manchmal noch an mich?

Denkst du manchmal noch an mich? Denkst du manchmal noch an unser erstes Mittagessen auf dem Boden im Flur? Hast du je daran gedacht, dass du es warst, die mich aufgefangen hat, Bevor ich an der Wirklichkeit zerbrechen konnte? Ich denk manchmal noch an dich und an das Knoblauchbrot und an die Tränen, Die wir

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Zwischen vorhin und danach

AnnenMayKantereit, am 16.04.2016 im Volkshaus Basel. Eindrücke. Genau um 19:50 Uhr fängt es zu regnen an. Ich renne die letzten Meter zum Volkshaus, die Jacke tief über mein Gesicht gezogen. Ich bin viel zu müde für laute Musik und Menschen. Meine Knie schmerzen vom vielen Stehen den ganzen Tag und ich muss mich anstrengen, um

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Am Ostermarsch

Ostern ist doch irgendwie ein seltsames Fest. Muss man sich da Geschenke machen? Was soll die Legende vom Osterhasen, feiern wir nicht den Tag, als Jesus von den Toten auferstanden ist? Und was haben Hasen und Ostereier gemeinsam? Heute habe ich mich einer neuen Tradition angeschlossen. Neu, zumindest für mich. Ich nahm am Ostermarsch in

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Das Flamenco-Desaster

Aus einem mir noch immer nicht ganz ersichtlichen Grund habe ich vor drei Wochen mit einem Flamenco-Kurs begonnen. Wahrscheinlich dachte ich, dass ich das Unisport-Angebot nutzen sollte, wenn es mir denn schon zur Verfügung steht. Klingt plausibel, oder? Nur ist die Sache jetzt die, dass wer mich schon einmal hat tanzen sehen weiss, dass ich

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JEIN zur Durchsetzungsinitiative

Am Sonntag stimmen wir über die Volksinitiative «Zur Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländer» der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ab. Die Initiative verlangt die verschärfte Umsetzung der Ausschaffungsinitiative von 2010. Demnach wäre die Ausschaffung von Asylsuchenden nicht nur in Härtefällen wie Vergewaltigung, Mord oder Körperverletzung umsetzbar, sondern bereits nach dem Vorkommen kleinener Delikte wie Ladendiebstahl oder Beamtenbeleidigung.

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Die Nacht von Freitag auf Montag

Es gibt diese Tage, da weiss ich nicht sicher, ob es besser ist, ein Gedicht zu schreiben, ein Lied zu dichten oder beim altvertrauten Essay zu bleiben. Wie fasse ich am besten ein Wochenende zusammen, das so frei von jedem Rhythmus war? Es fing an mit einer Tasse Tee im Haus von meinem Papa. Es

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«Ach, du studierst Geschichte!»

Für mich war schon am Gymnasium klar, dass ich Geschichte studieren würde. So oft ich auch geschwänzt habe, am Freitag Morgen sass ich immer auf meinem Platz (manchmal als eine von wenigen) und freute mich auf die Doppelstunde (meistens als einzige). Und ich finde auch nach drei Semestern immer noch, dass es nichts Geileres gibt,

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