Liebe Marah Woolf

Jeder, der mich kennt, weiss, wie sehr ich Bücher liebe. Ich kann Stunden in Buchhandlungen verbringen und meine Leseliste ist endlos. Ich bin auch sehr tolerant, was das Genre oder der Stil des Autors angeht – solange Herzblut drin steckt, kann es ja nicht so schlimm sein. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt.

Zu meinem Geburtstag im Dezember bekam ich von meinen Eltern Mariah Woolfs Bookless-Saga geschenkt.

bookless

Okay, als ich diesen Blog startete, nahm ich mir vor, niemals über Menschen herzuziehen, es sei denn vielleicht Neo-Nazis. Marah Woolf sieht aber überhaupt nicht aus, wie ein Neo-Nazi, weshalb ich mich vorab erstmal auf die positiven Seiten der Trilogie beziehe. Die Geschichte ist nämlich ganz nett: Lucy, eine Waise, findet heraus, dass sie mit Büchern reden kann. Dann lernt sie den geheimnisvollen Nathan kennen, der für einen geheimen Bund arbeitet, der die Bücher nach und nach zum Verschwinden bringt. Liebesgeschichte, Familiendrama – alles dabei!

Aber liebe Marah Woolf – WO HAST DU DENN BITTE SCHREIBEN GELERNT? 

Ich bin alles andere als ein Grammar Nazi – dass mal ein Komma entfällt oder ein Buchstabe verwechselt wird, ist schliesslich normal und kommt doch auch bei Harry Potter vor. Aber wie, um alles in der Welt, liebe Marah Woolf, kriegst du es hin, bis zu drei Fehler auf eine Seite zu quetschen? Mehrmals?!

Hier etwas Grundsätzliches, Marah: Anführungs- und Schlusszeichen werden nur gesetzt, wenn jemand spricht. Ich weiss, sie sehen zwar hübsch aus, diese Zeichen, aber du kannst sie nicht einfach nach Lust und Laune irgendwo hinsetzen, es ist nicht wie bei Zuckerstreusel und Kuchen!

Kommas werden unter anderem gesetzt, um Nebensätze und Hauptsätze von einander abzutrennen. Es gibt den so genannten Infinitivsatz, der das Komma nicht voraussetzt. Wenn du dich allerdings entschieden hast, es zu setzen, dann setz dieses Scheiss-Komma auch! Relativsätze hingegen verlangen immer ein Komma!

Und was soll das bitteschön mit den ganzen Absätzen? Da ist Nathan kaum fertig mit seinem Statement und Lucy antwortet ihm  erst eine halbe Seite weiter unten – dazwischen gähnende Leere!

Sehr schön fand ich aber die Verwendung des Blocksatzes. Er macht den Text etwas angenehmer zum Lesen – es hilft aber nichts, wenn du keinen einzigen Bindestrich setzt, sodass zwei Wörter auf eine Zeile kommen und sich das eine davon in Down Under befindet! Und ein Pro-Tipp noch: Ich weiss, die Anführungs- und Schlusszeichen gefallen dir gut, aber das ist kein Grund, sie in unterschiedlichen Grössen zu setzen!

 Ansonsten, was soll ich sagen? Die Geschichte war gut, ich habe fast die ganze Nacht durchgelesen. Aber liebe Marah, du darfst ruhig auch über Sex reden. Lucy studiert immerhin schon, der hättest du das bestimmt zutrauen können. Ich verstehe, dass du nicht Begriffe wie Ficken, Bumsen oder Vögeln verwenden wolltest, aber nachdem ich zum dritten Mal gelesen habe, dass Lucy und Nathan sich „intensiv liebten“ war ich ein klein wenig befremdet.

Und ein Letztes noch – erkläre mir folgenden Satz:

„Hungrig zog sie seine Lippen zu sich und küsste ihn.“

Wie?! Wie zog sie seine Lippen zu sich? Da sie hungrig war, vermute ich die Zähne, aber ich möchte nicht die Möglichkeit ausschliessen, dass sie ihre Finger benutzte oder eine Zuckerzange zur Hand hatte!

Ich wüsste sehr gerne, ob sonst noch jemand dieses Wahnsinnswerk gelesen hat und wie das bei euch so ankam!  Ich empfehle dieses Buch allen, die – wie ich – eine leichte Geschmacksverstauchung haben, auf Kitsch stehen und nicht der Grammar Police angehören.

Ciao for now! xxx

The Bone Season – Die Träumerin

  • Autorin: Samantha Shannon
  • Originaltitel: The Bone Season
  • Erscheinungsjahr: 2013
  • Genre: Science Fiction, Fantasy, Thriller, Tragik

Nicht alle von uns wissen, was wir sind. Einige von uns sterben, ohne es jemals zu erfahren. Andere wissen es, und wir werden niemals erwischt. Aber wir sind dort draußen.
Das könnt ihr mir glauben.

Shannon_BoneSeasonLondon im Jahr 2059. Das Sicherheitsunternehmen Scion hat die Kontrolle über das Land ergriffen und setzt sich vehement gegen jede Art von Unnatürlichkeit ein. In einer Welt, in der Hellsichtige gejagt werden, arbeitet die neunzehnjährige Paige Mahoney im Untergrund für den heimtückischen Jaxon Hall. Denn Paige ist eine Traumwandlerin, ihr Geist kann in das tiefste Innere anderer Menschen hineinsehen, und im Werk der Spionage ist ihre Gabe unbezahlbar.
Paiges Leben nimmt eine turbulente Wendung, als ihre Gabe von Scion erkannt wird und sie sich plötzlich halb bewusstlos in Oxford wiederfindet, wo sich eine seltsame Rasse niedergelassen hat und die Hellsichtigen aus Scion London versklavt.

Die Geschichte erinnert an die Hexenprozesse von Salem im 17. Jahrhundert und bringt das Thema Faschismus auf eine ganz neue Ebene; was wäre Zeitgeschichte schliesslich mit nur einem Hauch des Übernatürlichen?

Mit Paige Mahoney haben wir, ähnlich wie Katniss Everdeen in Die Tribute von Panem, eine starke Protagonistin mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Freiheit. Was ist die Menschheit denn schon ohne Freiheit? In der fiktiven Welt wird sie errungen, doch könnte Samantha Shannons erster Roman auch ein Aufruf zu mehr sein.

Jane Eyre

  • Autorin: Charlotte Brontë
  • Originaltitel: Jane Eyre
  • Erscheinungsjahr: 1847
  • Genre: Romantik, Tragik

Ich bin kein Vogel; und kein Netz wird mich fangen: ich bin ein freier Mensch mit einem unabhängigen Willen.

Bild 4Die kleine, unscheinbare Jane Eyre hat es nicht leicht. Verwaist und grossgezogen von einer Tante, die sie bereits als Kind nicht ausstehen kann, findet sie schliesslich eine Anstellung als Gouvernante auf dem Thornfield Anwesen. Der Hausherr, Edward Rochester, ein hässlicher und befehlshaberischer Egoist, ist der neunzehnjährigen Protagonistin sehr zugetan – auch sie kann ihre Liebe zu ihm nicht leugnen – gäbe es da nicht einige unerklärbare Vorfälle in Thornfield, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen.

Jane Eyre ist natürlich nicht umsonst ein beliebter Klassiker. Es müsste noch nicht einmal ein Klassiker sein, wenn auf dem Buchrücken steht „Eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt“, dann werde ich dies sofort überprüfen wollen. Charlotte Brontë war ihrer Zeit weit voraus, in dem sie eine Heldin schuf, die sich weigerte, sich einem Mann in irgendeiner Weise zu unterwerfen oder sich vor ihm zu fürchten. Und doch kommt der Geist der Zeit mehr als deutlich zum Vorschein, denn wie so oft gilt es auch für Jane Eyre, die Klassenunterschiede zu überwinden (oder sie wie Rochester ganz einfach zu ignorieren).

„Nur weil etwas alt ist, heisst das noch lange nicht, dass es auch gut ist!“, hört man Stimmen immer wieder sagen. Natürlich ist alt nicht ein Synonym für gut und ein Roman aus dem neunzehnten Jahrhundert liest sich ohne Zweifel nicht so rasch wie Harry Potter, aber das Problem liegt nicht beim Buch, sondern beim Leser. Was einem gefällt und was nicht, ist Geschmacksache, aber wir sind viel zu willig, aufzugeben, wenn uns ein Buch zu schwierig oder zu anstrengend erscheint. Und das, wo wir uns stundenlang mit Temple Run und RTL beschäftigen können.

Zeit des Mondes

  • Autor: David Almond
  • Originaltitel: Skellig
  • Erscheinungsjahr: 1998
  • Genre: Tragik, Jugend, Philosophie

Man sagt, die Schulterblätter sind da, wo die Flügel waren, als man noch ein Engel war. Man sagt, sie sind da, wo einem eines Tages wieder Flügel wachsen werden.

71BUl5rdcyLWie sieht es eigentlich im Kopf von anderen Menschen aus? Warum kommt ein Kind manchmal viel zu früh auf die Welt? Was passiert, wenn wir eine alte Garage einfach abreissen? Und was, wenn chinesische Take-Aways wirklich Leben retten können?

„Zeit des Mondes“ von David Almond präsentiert leider keine Antwort auf irgendeine dieser Fragen. Und doch bringt das Buch etwas Hoffnungsvolles mit sich. Die Geschichte handelt von David, dessen kleine, frischgeborene Schwester sehr krank ist. Das Haus, in das die Familie ziehen will, ist mehr als nur renovationsbedürftig, die Garage sogar so einsturzgefährdet, dass Michael sich eigentlich davon fern halten sollte. Stattdessen aber findet er unter all dem Gerümpel eine seltsame Kreatur. Ein bisschen Mensch, ein bisschen Tier und noch etwas, das sich nicht so richtig einordnen lässt.

Auf jeden Fall ein Buch, das dem klassischen Schulsystem den Kampf ansagt und den Leser aufmuntert, an Wunder zu glauben und sich das Herz erwärmen zu lassen.

Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen]

  • Autor: John Green
  • Originaltitel: An Abundance of Katherines
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Genre: Romantik, Jugend

Man kann jemanden noch so lieben, dachte er. Doch man liebt ihn nie so stark, wie man ihn später vermisst.

1600x1200_resize_up_Die_erste_Liebe_nach_19_vergeblichen_Versuchen_neuManche Männer mögen Blondinen, andere mögen Frauen mit grossen Brüsten, wieder andere ganz dünne… Colin Singleton mag Katherines. Insbesondere Katherine Nummer neunzehn, die nun aber leider mit ihm Schluss gemacht hat.
Geplagt von Liebeskummer und der Tatsache, dass er anstelle eines Genies nur ein Wunderkind ist und damit niemals als jemand Bedeutendes in die Geschichte eingehen wird, entscheiden sich Colin  und sein bester Freund, Hassan (Moslem, aber kein Terrorist) für einen Roadtrip. Auf dem Weg von Tennessee nach Chicago landen die beiden zufällig in dem verschlafenen Gutshot und bleiben.

Ich würde ja hier mit der Zusammenfassung aufhören, aber der Titel verrät es bereits: Colin findet die erste Liebe, nachdem die letzte ihm nichts als ein gebrochenes Herz beschert hat.
Dieser kleine Roman von John Green beschäftigt sich mit der Frage, die sich die Menschheit am wohl häufigsten stellt: Welcher Sinn hat unser Leben? Wer wird sich eines Tages noch an uns erinnern? Colin nimmt uns mit auf eine Reise, die uns zeigt, wie bedeutend unbedeutend wir im Grunde doch sind.

Ein ganzes halbes Jahr

  • Autorin: Jojo Moyes
  • Originaltitel: Me Before You
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • Genre: Romantik, Tragik

So bin ich jetzt. Das ist deine Schuld. Du hast mich verändert.

Moyes_Ein_ganzes_halbes_Jahr_ISBN9783499267031Louisa Clark führt ein stabiles Leben. Sie weiss, wie viele Schritte es sind bis zur Bushaltestelle, sie mag die Arbeit in der kleinen Bäckerei, sie hat ihren Freund, den sie wahrscheinlich eines Tages heiraten wird.
Doch dann wird die Bäckerei verkauft und Louisa findet notgedrungen eine Anstellung als Pflegerin des Querschnittsgelähmten Will. Und wenn ihr Leben nun eines nicht mehr ist, dann ist das stabil. Denn Will ist zunächst nicht nur extrem unwillig, sich helfen zu lassen, sondern zudem auch ein Besserwisser, Herzensbrecher, Klugscheisser und arroganter Kotzbrocken mit dem dringenden Bedürfnis, bald möglichst sterben zu dürfen.
Louisas kleine Welt wird dabei ganz schön auf den Kopf gestellt, denn plötzlich ist sie sich gar nicht mehr so sicher, ob sie die Welt nicht doch mehr zu bieten hat als nur das Städtchen, in dem sie seit Kindestagen lebt. Und ist ihr Freund wirklich der Mann ihrer Träume?

Jojo Moyes schneidet in ihrem Roman Ein ganzes halbes Jahr ein sensibles Thema an. Macht ein Leben im Rollstuhl wirklich Sinn? Und was ist es denn überhaupt, das uns den Willen zum Leben beschert? Wer sagt denn, dass die unendliche Liebe der Menschen um uns herum genug sein muss?
Ein Buch, das uns verändert und das unseren Horizont erweitert – bei dem kein Auge trocken bleiben wird!

Nach dem Sommer

  • Autorin: Maggie Stiefvater
  • Originaltitel: Shiver
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Genre: Liebe, Tragik, Fantasy

„Bitte, komm mit mir zurück“, sagte ich. Ich wusste nicht, was ich tun würde, wenn er nein sagte. Ich hielt es nicht aus, morgen hierhin zurückzukommen und ihn als Wolf vorzufinden.

Nach dem SommerLiebesgeschichten faszinieren uns seit jeher. Und wir danken Shakespeare dafür, dass er uns den Begriff „Starcrossed Lovers“ gegeben hat, die Liebenden, die nicht zusammen sein können, weil die Umstände es ihnen verbieten; sei es die Herkunft wie bei Romeo und Julia, barbarische Spiele wie bei Peeta und Katniss oder einfach ein drittes Rad am Wagen wie bei Bella, Edward und Jacob – eine Geschichte ist scheinbar nur spannend, wenn die Liebenden nicht glücklich sein können!
Dabei vergessen wir, dass das Leben auch Geschichten schreibt, die gut sind. Die funktionieren und uns Mut machen und die keinen Rosenkrieg nötig haben. Das beweist uns Maggie Stiefvaters Roman „Nach dem Sommer“, welcher die Geschichte von Sam und Grace erzählt. Als ein Junge von den Wölfen getötet wird, ist ganz Mercyfalls in Aufregung. Doch Grace, die siebzehnjährige Protagonistin, weiss um die wahre Natur der Wölfe, die sich jeden Sommer in Menschen verwandeln. Und als schliesslich ein schwer verletzter Sam, ein Junge mit seltsam bekannten gelben Augen, vor ihrer Haustür auftaucht, setzt Grace alles daran, die Wölfe und den Jungen zu retten.

Endlich ein Roman, in dem die Protagonistin nicht über ihr bescheidenes Aussehen lästert, sich nicht in den „Bad Boy“ verliebt (der sie zwar wie Dreck behandelt, aber im Kern ein ganz, ganz Guter ist!) und sich nicht zwischen zwei Streithähnen entscheiden muss! Es ist erfrischend, auf eine Geschichte zu stossen, die den Glauben an die Liebe bestätigt, anstatt uns vor ihr zu warnen!

Zwei An Einem Tag

  • Autor: David Nicholls
  • Originaltitel: One Day
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Genre: Liebe, Tragik

„Manchmal ist man sich der großen Augenblicke in seinem Leben bewusst, wenn sie passieren, manchmal steigen sie aus der Vergangenheit auf. Vielleicht verhält es sich mit den Menschen genauso.“

Zwei an einem TagEmma und Dexter lernen sich am Tag ihrer Uni-Abschlussfeier in Edinburgh kennen. Aber was nach dem Beginn einer grossartigen Liebesgeschichte klingt, ist in Wahrheit erst einmal der Beginn einer langen Freundschaft. Zwanzig Jahre lang begegnen wir den beiden Lebenskünstlern an jenem Tag wieder, an dem sie sich zum ersten Mal getroffen haben; der Leser wird durch zwei Leben voller Zufälle, Missgeschicke und verpasster Anrufe geführt.

Was bewegend ist an ihrer Geschichte, ist ihre Echtheit. Zwei Menschen, die für einander wie geschaffen sind und nur deshalb nicht zu einander finden, weil das Mobiltelephon noch nicht erfunden ist. So oft wären sie so nah dran und es ist nur eine Sache von „Würden sie doch bloss…“ und „Warum hat er denn jetzt nicht…!“, aber so frustrierend es auch ist, wenn das Leben dazwischen kommt, so wundervoll ist es auch. „Zwei an einem Tag“ zeigt das Leben, das nie stehen bleibt und uns am Ende doch genau an das Ziel bringt, das wir von Anfang an vorausgesehen haben.

Wir begreifen oft nicht, dass das Leben von einem einzigen kleinen Entscheid abhängen kann und dass es winzige Zufälle sind, die uns durch die nächsten zwanzig Jahre bringen. Und das ist das Aufregende, dass wir niemals wissen werden, wo wir heute in einem Jahr stehen werden!

Schwarzer Samt

  • Autor: Albrecht Gralle
  • Erscheinungsjahr: 2011
  • Genre: Liebe, Tragik, Geschichte

„Ach Gott, es war nicht auszuhalten, immer wenn er die Augen schloss, sah er Cathy vor sich, und in der Gegend seines Herzens spürte er, wie es ihm dabei warm wurde.“

114176Johannes Zimmermann, Sohn schwäbischer Pietisten, ist bereits als kleiner Junge fasziniert von Afrika und seinen Menschen, die er aus den Bildbänden seines Grossvaters kennt, und er weiss: Eine Frau mit Haut, schwarz wie samt – so eine will er heiraten.

Jahre später wird er von der Basler Mission aufgenommen und reist als Missionar nach Afrika. Womit er jedoch nicht rechnet, ist, dass er sich in die dunkelhäutige Catherine Mulgrave verliebt, die mit dem untreuen George verheiratet ist. Hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen und seinem Pflichtgefühl gegenüber der Basler Mission und der Verlobten in Deutschland, muss sich Johannes entscheiden, welchen Weg er gehen will.

Das Thema der Mission bleibt bis heute ein schwieriges Thema – war es doch eine Gratwanderung zwischen dem militanten Aufdrängen des Christentums und dem Beginn der Entwicklungshilfe. Die Form des Romans kann dem Leser so einiges vermitteln, was durch trockene wissenschaftliche Arbeiten so nie begriffen werden kann. Leider steht die Mission in Gralles Werk an zweiter Stelle. Johannes Zimmermanns Aufenthalt in Afrika scheint sich gänzlich um seine unsterbliche Liebe zu Catherine und dem damit verbundenen Konflikt zu drehen.

Es ist schwer, ein Buch ernst zu nehmen, das eine solch schwerwiegende Thematik dermassen verkitscht und vereinfacht. Und man fragt sich, was genau, die Arbeit ist, die dieser Johannes in Afrika leistet und von der er durch Überarbeitung auch noch schwer erkrankt!

Schwarzer Samt ist kein literarisches Meisterwerk, aber der Roman weckt das Interesse an den wahren Begebenheiten rund um die historische Figur des Johannes Zimmermann. Ausserdem wird das schlechte Bild der Missionare revidiert, da sich hier einer eindeutig mehr für die eigenen Herzensangelegenheiten interessiert als dafür, armen Einheimischen eine fremde Religion aufzuzwingen.

Und das ist eine weitere Gratwanderung, denn Kitsch rückt alles in ein besseres Licht und macht die Welt ein wenig besser, die Verkitschung aber lässt sie erblinden.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

  • Autor: John Green
  • Originaltitel: The Fault In Our Stars
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • Genre: Liebe, Tragik, Jugend

„Warum siehst du mich so an?“ – „Weil du schön bist. Ich sehe gerne schöne Menschen an, und vor einer Weile habe ich beschlossen, dass ich mir die einfachen Freuden des Lebens nicht mehr verkneifen werde.“

 

Green_24009_MR1.inddDie sechzehnjährige Hazel Grace aus Indianapolis leidet an unheilbarem Lungenkrebs und Depressionen – beides, wie sie glaubt, Nebenwirkungen des Sterbens. Auf das Drängen ihrer Mutter hin besucht sie schliesslich eine Selbsthilfegruppe für kranke Jugendliche und lernt den gut aussehenden Augustus Waters kennen, der sofort ihre Begeisterung für ihr Lieblingsbuch, Ein herrschaftliches Leiden, teilt und schnell zu ihrem besten Freund wird.

Gemeinsam mit Hazel erkennt der Leser, dass sie keineswegs am Sterben, sondern, im Gegenteil, sehr fest am Leben ist.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist explizit kein herkömmliches Krebsbuch, in dem der leidende Protagonist plötzlich mit lebensverändernden Weisheiten um sich wirft. Hazel und Augustus werden als gewöhnliche Teenager dargestellt, die gerne fernsehen, Videospiele spielen und weite Reisen unternehmen möchten. Was sie von anderen Jugendlichen unterscheidet, ist offensichtlich die Tatsache, dass sie an Krebs leiden. Sie sind anders und sie spüren es eben auch. Aber genau dieses Gefühl des Anderssein ist, was sie wiederum mit allen anderen verbündet. Ein Teenager zu sein, bedeutet letztlich, sich nicht immer wohl in seiner Haut zu fühlen. Es bedeutet, nicht sein zu können, wie man gerade gerne wäre, ein Aussenseiter in den eigenen Augen. So ist das Erwachsenwerden, ein Kampf um einen Platz in dieser Welt. Und im Endeffekt führen wir diesen Kampf ausschliesslich gegen uns selber, gegen unsere Fehler und Mängel, bis wir lernen, sie in unsere Persönlichkeit zu integrieren, bis sie so sehr ein Teil von uns sind, dass wir uns ein Leben ohne sie nicht länger vorstellen können. Und Hazel Grace wird erwachsen wie alle anderen auch, und was ist schliesslich der Krebs, wenn nicht nur ein weiterer Schatten über ihrem jugendlichen Glück?

Das Schicksal entpuppt sich in diesem kleinen Meisterwerk von John Green sehr wohl als ein mieser Verräter – Taschentücher sind bei der Lektüre zweifelsohne Pflichtsache. Dennoch ist der Roman keineswegs nur für starke Gemüter bestimmt. Es ist eine Geschichte über das Leben, die uns genau so oft zum Weinen wie auch zum Lachen bringt und uns letztlich die Hoffnung gibt, dass irgendwo immer etwas Wunderbares auf uns wartet, wenn wir die Augen nur offenhalten.

Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück

  • Autorin: Helen Fielding
  • Originaltitel: Bridget Jones’s Diary
  • Erscheinungsjahr: 1996
  • Genre: Comedy, Liebe

„Gegen den eigenen Willen mit einem Mann verkuppelt zu werden, ist eine Ebene der Erniedrigung, aber tatsächlich von Una Alconbury dazu gezerrt zu werden, während man noch mit einem übersäuerten Kater kämpft, und dabei von einem ganzen Zimmer voller sogenannter Freunde der Familie dabei beobachtet zu werden, kommt einer öffentlichen Hinrichtung gleich.“

Bridget Jones - Schokolade zum Fruehstueck von Helen FieldingLiebesromane unserer Zeit müssen besonders eines sein: kitschig. Glitzernde Vampire, blumige Liebeserklärungen, Küsse im Regen – je klischeehafter, desto besser.

Erfrischenderweise ist Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück aber nur dies: ehrlich. Anstelle einer Beauty-Queen, die sich selber hässlicher findet als Freddy Kruger, haben wir eine kleine, unwichtige, pummelige Dame in ihren Dreissigern, die das Single-Dasein satt hat. Es ist schwer, Bridget nicht zu verstehen in ihren Gedankengängen, die uns Autorin, Helen Fielding, in Tagebuchform präsentiert, selbst für jene, die mit dem Begriff „Flachwichserei“ sparsamer umgehen als unsere liebenswerte Protagonistin. Der gut aussehende Chef (der leider zur Kategorie „Alkoholiker, Workaholics, Beziehungspaniker, Typen mit festen Freundinnen oder Ehefrauen, Frauenfeinde, Grössenwahnsinnige, Chauvis, emotionale Flachwichser oder Schmarotzer, Perverse“ gehört) ist schliesslich auch im wahren Leben attraktiver als ein langweiliger (wenn auch sehr reicher) Staranwalt in Hummelsocken, mit dem Mutter und Tante einen um jeden Preis verkuppeln wollen!

Umgeben von „selbstgefälligen Pärchen“ und einer Mutter, die soeben „die Macht“ entdeckt hat und nun mit mehreren Männern gleichzeitig schläft, kann es schwierig sein, sich als moderner Single durchzuschlagen. Und dennoch ist Bridget eine absolute Hoffnungsträgerin; zwar der Gnade ihrer (sehr gnadenlosen) Mutter hilflos ausgeliefert, schusselig, ein klein wenig doof, verzweifelt und keine Megan Fox, ist sie doch unglaublich cool. Wer hat denn noch nie seine Nachmittage damit verbracht, auf einen Anruf zu warten,  wer zweifelt schon nicht an sich, wenn der Freund mit einer anderen schläft und wer isst denn nicht Schokolade zum Frühstück, wenn die Cornflakes alle sind? Die Diäten können versagen und Bridget bleibt Weltmeisterin im Fettnäpfchenwetthüpfen, doch am Ende wartet allem zum Trotz der perfekte Märchenprinz (diesmal ohne Hummelsocken) auf sie.

Einmal mehr muss der Leser einsehen, es lohnt sich eben doch, sich selbst treu zu bleiben – und auf seine Mutter zu hören („Sag nicht ,was‘, sag ,wie bitte‘, Schätzchen!“)

Wen der Rabe ruft

  • Autorin: Maggie Stiefvater
  • Originaltitel: The Raven Boys
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • Genre: Mystery, Fantasy, Liebe

„Blue Sargent wusste mittlerweile schon gar nicht mehr, wie oft ihr gesagt worden war, dass sie ihrer wahren Liebe den Tod bringen würde.“

wen-der-rabe-ruft1Die sechzehnjährige Blue Sargent, einziges nicht-hellsichtiges Mitglied einer Familie voller Hellseherinnen, weiss, die Jungen der teuren Privatschule, Aglionby Academy, sind reich, arrogant und sorgen nur für Probleme. Blues Leben ändert sich jedoch, als sie die vier Aglionby-Jungen, Gansey, Adam, Ronan und Noah kennenlernt. Sie haben alles: Geld, Familie, Freunde, gutes Aussehen – doch sie alle sind auf der Suche nach mehr: Gansey will eine alte Ley-Linie wieder zum Leben erwecken, um einen walisischen König zu finden, der ihm einen Wunsch erfüllen wird.

Blue hat immer gewusst, dass sie ihre wahre Liebe mit einem Kuss töten wird, aber sie hat nie daran geglaubt, dass dies ein Problem sein würde. Nun, da ihr Leben sich mit der düsteren Welt der Raben-Jungen verstrickt, ist sie sich da allerdings nicht mehr so sicher.

Bestsellerautorin Maggie Stiefvater verarbeitet in diesem neuen, unkonventionellen Roman wie viele vor ihr das grosse Thema der wahren Liebe. Mit der liebenswürdigen Protagonistin, Blue, erkunden wir die komplizierte Welt der Gefühle und verlieben uns mit ihr in die kleine Gruppe der Reichen und Schönen. Was den Roman jedoch massgeblich von anderen seiner Art unterscheidet, ist die hervorgehobene Freundschaft zwischen den vier männlichen Hauptfiguren. Auf nüchterne und wundervolle Art entfernt sich Stiefvater von sämtlichen Klischees, die unsere Gesellschaft prägen. Anstelle von vier grossen, mutigen Muskelprotzen im Prinzengewand und mit Gaul haben wir vier Interpretationen von Goethes „Werther“: Gansey, das Sonntagskind, freundlich, unbesorgt und naiv. Er ist der Anführer der Gruppe, fast zur Besessenheit darauf erpicht, „seinen“ König zu finden. Ronan, dessen Vater ermordet wurde, „ein Soldat in einem Krieg, in dem alle anderen die Feinde waren.“ Adam, der einzige, der nicht reich ist und der von seinem Vater regelmässig verprügelt wird. Und Noah, der immer beobachtet, dersieht und der nur selten redet. Vier Jungen mit ihren Rissen in ihren Seelen, die nur miteinander funktionieren können, die sich lieben und hassen und die einen Gansey nötig haben, der sie daran erinnert, dass es etwas Zauberhaftes in der Welt gibt.

Überschattet wird diese Freundschaft von dem grossen Konflikt zwischen arm und reich. Wie behält man seine Würde, wenn man sich als einziger seine schulischen Leistungen nicht kaufen kann? Blue, die ihr Leben lang in bescheidenen Verhältnissen gelebt hat, entdeckt, dass auch hinter der glitzernden Fassade des Reichtums nur kleine Menschen mit grossen Träumen kauern.

Stiefvaters Schreibstil ist wie immer unschuldig und ehrlich und bricht grosse Themen auf eine Alltagsbasis hinunter. Voller Poesie und Witz erinnert uns der Roman daran, dass Menschen immer Menschen bleiben und dass es sich lohnt, an das Unmögliche zu glauben. Nicht zuletzt hilft uns hier auch der berühmte Blick ins fremde Tagebuch, das Blue wie folgt beschreibt: „Mehr als alles andere wollte das Tagebuch. Es wollte mehr, als es halten konnte, mehr, als Worte beschreiben konnten, mehr, als Diagramme zeigen konnten. Verlangen barst von den Seiten, von jeder wilden Zeile und hektischer Skizze und jeder dunkel gedruckten Begriffserklärung. Es hatte etwas Schmerzvolles und Melancholisches an sich.“