Paris ist immer eine gute Idee!

Paris ist immer eine gute Idee, fand Audrey Hepburn mal, und ich meine, ich fand Paris jetzt nicht so geil, aber als dann Samantha vorschlug, da hinzufahren, sah ich auch keinen Grund, abzusagen.

Nach unserem zweitägigen Trip in die Metropole der Liebe habe ich kein revidiertes Fazit: Paris ist schmutzig und laut, es stinkt überall nach Sch(w)eiss und Urin und Abgasen, die Distanzen zwischen den Gleisen in den Métrostationen gleichen jenen des bengalischen Gangesdeltas und wo man auch ist, irgendwer verspürt immer das dringende Bedürfnis, dich armen Tourist möglichst rasch zu überfahren. Und was soll das überhaupt heissen, Je m’baladais sur l’avenue – an den Champs Elisées spaziert man doch nicht gemütlich lang, man kämpft sich durch! Man überwindet die Horden von Gucci-Jägerinnen und Vuittons-Zombies, bis man triumphierend den Arc de Triomphe erreicht, und dann versteht man auch erst so richtig, warum Napoléon seinen Siegesklotz an das Ende einer Shoppingmeile stellen musste.

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Angefangen hatte der Ausflug am Sonntagmorgen mit meinem üblichen Packritual; nachdem ich in der Nacht zuvor erst gegen zwei Uhr zurückgekehrt war, hatte ich vor dem Schlafengehen auch nicht die nötige Energie gefunden, zwei Unterhosen, Handtuch und Jeans in einen leeren Rucksack zu werfen. Um acht Uhr aus dem Haus gehen, heisst für mich, dass da noch genügend Zeit ist, um sieben aufzustehen, zu duschen, zu packen, das Wohnzimmer zu putzen und das Zugticket auszudrucken. Ich überlegte ganz kurz, ob ich eine Regenjacke brauchen würde, verwarf den Gedanken daran aber ganz rasch wieder. Wenn man sich nämlich nicht vor dem Regen fürchtet, kommt der auch nicht.
Es scheint daher auch gar nicht überraschend, dass mich Paris mit wolkenverhangenem Himmel erwartete und dann auch gleich anfing, mich mit Nieselregen zu begiessen, kaum hatte ich die Métro verlassen. Und dabei hatte ich mir doch Wochen zuvor das Kleid ausgesucht, das ich dann im Disneyland tragen würde – das Teil hätte ich auch im Hagel getragen!

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Man hat ja gewisse Erwartungen an sich selbst, sobald man sagen kann: ‘Ich bin ja auch nicht mehr zwanzig!’ Da will man sich doch unter seinesgleichen gewiss etwas sophisticated geben, sich für Kunst und hochstehende Literatur intressieren und nach dem Erklimmen des Eiffelturms die schöne Aussicht kommentieren und nicht die schmerzenden Füsse, weil man mal wieder so blöd war und die hübschen Ballerinas angezogen hat anstatt die Birkenstocksandalen. Aber mal ehrlich, die Füsse taten mir weh wie sau, ohne dass ich den Eiffeltum gesehen hätte, und ich stand zwar Stunden verzückt in Shakespeare & Company vor den edlen Jane-Austen-Ausgaben, entschied mich dann aber doch für ein Buch mit dem vielversprechen Titel Dirty Bertie. Und ich werde nicht lügen, ich fand das Kunstmuseum zwar nett, aber im Disneyland hätte ich Tage verbringen können! Ich wurde sehr emotional während der grossen Parade, küsste Mickey Mouse und die Leute drehten sich zu mir um, weil ich beim Frozen Sing-Along lauter along sang als die meisten Kinder.

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Paris ist immer eine gute Idee. Tatsächlich! Da gibt es Crêpe mit Erdbeeren und Nutella und die Entschuldigung, einen Tag lang dämliche Minnie-Mouse-Ohren zu tragen, und überhaupt: streuen wir nicht überall etwas Glitzer drauf, wo das Leben grad so nervt?

Ciao for now!
xxx