Dezember 2014, Bern (Nostalgie)

I miss a lot of things.

I miss going to work for that first time last year.
I miss the smell of smoke and sweat and cardboard boxes in the hallway.
I miss the way my feet hurt every night.

I’m still working there now.

But it’s not the same.
It’s not the “I never want to leave this place”.
It’s more.
It’s less.

My feet still hurt.

I miss seeing Honduras from above.
For the first time.
I miss the feeling of “It’s going to be okay.”
Because it really was, you know?

I miss the song
Chim-Chim-Chiminike!
All day long.
I wanted to listen to it forever.
I didn’t want to lose it.
That song.
It was mine.

I miss the voices.
“Hola Gringa!”
The way they could carress my name.
Every hello came with a hug.
Every hug lasted a lifetime.
Like the song.

Everybody hated the song btw.

I miss the dancing.
I hate dancing
But I was taught to love it.
Hands touching hands.
Lips touching lips.
It was a fairy tale.

But a slutty one.

I miss that side of me.
The “It’s going to be okay” side.
Because it really was, you know?

“One day I’m going to marry you.”
“Okay.”
It’s a promise
That we’ll never keep.
But we mean it
Nevertheless.

I miss eating
Until I need new pants.

“When are you leaving?”
“Never.”

I miss
Myself.

Just a little.
The me that knew
That it was going to be okay.

Because it really was, you know?

(Dezember 2014, Bern)

Denkst du manchmal noch an mich?

Denkst du manchmal noch an mich?
Denkst du manchmal noch an unser erstes Mittagessen auf dem Boden im Flur?
Hast du je daran gedacht, dass du es warst, die mich aufgefangen hat,
Bevor ich an der Wirklichkeit zerbrechen konnte?
Ich denk manchmal noch an dich und an das Knoblauchbrot und an die Tränen,
Die wir lachten.

Denkst du manchmal noch an mich?
Denkst du manchmal noch daran, wie ich gehen wollte
Und mich dann doch setzte?
Wie wir Wein tranken und nicht aufhören konnten zu reden,
Bis es drei Uhr morgens war?
Ich denk manchmal noch an dich und an die Art,
Wie du das Chaos in mir zur Ruhe bringst.

Denkst du manchmal noch an mich?
Denkst du manchmal noch an Santa Lucía?
Wir tranken Milkshakes in der Sonne und sprachen über Dichter
Und ich wollte, wir würden für immer Freunde bleiben.
Ich denk manchmal noch an dich und wie du lachtest
Und wie du mich zum Lachen brachst.

Denkst du manchmal noch an mich?
Denkst du manchmal noch an den Strand und die Stadt
Und die Cocktails im Eimer?
Ich denk manchmal noch an dich und an die Nacht,
In der wir uns suchten und fanden und uns schworen,
Uns nie mehr zu verlieren.

Denkst du manchmal noch an mich?
Denkst du manchmal noch an San Remo und an Nicétoile
Und an Harry Potter?
Es regnete Feuerwerk über unseren Köpfen und ich kaufte diesen
Ekelhaften Schokoladenkuchen.
Ich denk manchmal noch an dich und an die Pläne,
Die wir schmiedeten.

Denkst du manchmal noch an mich?
Bin ich zu einer goldenen Erinnerung geworden
Oder verblasse ich in matte Sepia-Töne?
Lachst du manchmal noch über meine Witze
Oder findest du sie nicht mehr witzig?
Fragst du dich manchmal noch, was ich fühle?
Wo ich bin und was ich denke?
Fragst du manchmal laut: «Denkst du manchmal noch an mich?» –

Ich denk manch manchmal noch an dich,
Und zwar täglich.

So viele Schuhe

So viele Schuhe.

Die Füsse, zu denen sie einst gehörten, längst vergangen.

Die Sonne fällt durch den Dunst und spiegelt sich im Wasser, so viele Schuhe, die leuchten.

Vielleicht hat damals auch die Sonne geschienen.

Vielleicht war es ein Tag wie heute, der mit einem strahlenden, blauen Himmel voller Hoffnung begann.

Vielleicht hat eine sanfte Brise die Haare der Menschen zerzaust, hat an ihren Mänteln und Jacken gezupft.

Vielleicht wollten manche von ihnen am frühen Morgen einkaufen gehen, vielleicht wollte jemand seine Tante besuchen, einen Kuchen backen, verliebt spazieren gehen.

Und jetzt stehen diese Schuhe alleine da.

Niemand wird wieder in ihnen gehen, niemand wird verstehen.

So viele Schuhe.

Budapest, Dezember 2012

Little Girl

Little girl, tell me your story
Tell me about your father‘s glory
Because he fought
For what he thought
Was a good thing
And he left you behind, poor little girl

Little girl, you must have cried
When they took him from your side
They were talking about stuff you could not know
You only guessed why he had to go
Where did they take him? Was it far?
And you cried as you held your teddy in your arm

Little girl, you were only small
He was so big, he was so tall
You thought of him as your wonderwall
The one who won against the monster under your bed
Who always held up your pretty head
Is suddenly gone to a place he was led

Little girl, you tried to understand
Who was so strong, he could not stand
They say he‘s never coming back
And you know you‘re never going to relax
You send him letters every day
Though he never gets them,a anyway

Little girl, it‘s killing you inside
You hear the bombs, the screams, the shots outside
He said he wanted you to survive
Just as he said his good-bye
You remember the reflection in his eye
And that he had told them the truth, not a lie

Little girl, you are standing strong
And you know you want to live so long
He sent you a message last night
Saying that you have to hold on tight
That you have to believe in God and wonders and a better world
And you‘ll try to finish off his work

Big girl, he is so proud of you
He was crying in this ice cold hell
But you suffered along all the way
Now that he‘s in peace, he looks down at you
Saying, little girl, I‘m so proud of you

Dachau, August 2009

Schlaraffenland

Wo die Welt keinen Sinn mehr macht
Gott die Herzen verlassen hat
Wo Verzweiflung und Trauer
Sich qualvoll aufstauen
Da gibt es einen kleinen Ort
Weit, weit fort
Tief im Innersten
Wo wir uns erinnern

Eine kleine Sonne scheint da
Golden ist ihr Licht und stark
Luft ist frisch, erfüllt von Liebe
Und Hände heilen dich, verteilen keine Hiebe
Ein Baum, der weisse und rosa Blüten trägt
Hat Schatten für jeden, der die Hoffnung im Herzen trägt
Eine weite Wiese, saftig grün
Auf der das ganze Jahr Blumen blühn
Ein kleiner Fluss, der immer fliesst
Und dir stetig neuen Glauben gibt

In der Nacht ein Himmel voller Sterne
Und ein warmes Leuchten in der Ferne
Es spielt keine Rolle, wer du bist
Weil jeder hier ein König ist
Es gibt hier weder Furcht noch Leid
Tränen kommen nur von grosser Heiterkeit

Und zurück in dieser kalten Welt
Ehe die weisse Taube vom Himmel fällt
Denkst du zurück und weisst genau
Einmal wird es wie im Traum
Nimm sie mit, nimm sie an der Hand
Und zeige ihnen dein Schlaraffenland

Dachau, August 2009