Hin und wieder zurück — Rückkehr nach Neuseeland

DSC06433So schnell wie die sechs Monate in Honduras vergangen sind, so schnell vergingen auch die letzten sechs Jahre. So lange ist es nämlich her, seit ich zum allerersten Mal Fuss auf das „Land der langen, weissen Wolke“, besser bekannt als Neuseeland, setzte. Und was für ein traumatisches Ereignis das gewesen war! Fünfzehn Jahre alt, begrenzte Englischkenntnisse und voller Hoffnungen und Ängste stand ich allein und verschüchtert am Flughafen in Auckland, die Augen hoffnungsvoll auf die Leute mit ihren grossen Schildern gerichtet – aber auf keinem war mein Name zu finden. Es regnete zudem in Strömen und war kalt, und ausgerechnet hier würde ich ein Jahr lang bleiben!

Ganz schön kalt bei Taupos Huka Falls!
Ganz schön kalt bei Taupos Huka Falls!

Und auch wenn ich es in diesem Augenblick nicht für möglich gehalten hätte, hatte ich das bis dahin schönste und intensivste Jahr meines Lebens. Und sechs Jahre später also stehe ich am selben Ort in derselben roten Regenjacke wie damals, draussen der Regen – und wieder stecke ich fest! Vielleicht ist es einfach so, dass ich nicht ohne Drama reisen kann, denn wie ich voller Zuversicht zum nächsten ATM-Automaten gehe, um Geld abzuheben, merke ich, dass meine EC-Karte gesperrt ist! Welch ein Glück, dass ich vor sechs Jahren Freundschaften geschlossen habe und sich sofort jemand bereit erklärte, mich aus meiner misslichen Lage (um sechs Uhr morgens) zu befreien und mich abholen zu kommen!

Spätnachmittagsonne über Tauranga
Spätnachmittagsonne über Tauranga

An einen Ort zurückzukehren, der einmal ein Zuhause gewesen ist, ist etwas unheimlich. Die Leute verändern sich, Häuser werden gebaut, Geschäfte werden abgerissen… kurz: ich bin hier vielleicht gar nicht mehr so zu Hause wie einst. Aber als ich mit Annie die Strassen entlang fuhr unter dem heller werdenden Himmel, war mir schnell klar, dass Neuseeland seinen Platz in meinem Herzen beibehalten hatte. Erst recht, als mich am Montag Morgen Charlie für einen ersten kurzen Roadtrip abholen kam.

Wiedersehen
Wiedersehen

Charlie war meine beste Freundin, als ich hier in Neuseeland war. Charlie hiess damals Holly. Heute hat Charlie ein X im Pass, weil ihrer Meinung nach das Geschlecht keine Rolle spielt und sie in keine Geschlechterrolle gesteckt werden will. Charlie ist bis heute die coolste Person, die ich kenne!
Wir verbrachten drei Tage im nahegelegenen Rotorua im Ferienhaus von Charlies Eltern. Jeder Tag brachte sein Highlight mit sich: Tag 1) Wir besuchten die Waitomo-Höhlen, die gefüllt sind mit Glühwürmchen. Hier eine kleine Erkenntnis bezüglich dieser Glühwürmchen: Ich habe stets nach folgendem Motto gelebt:

„I wish I were a glowworm.
A glow worm‘s life is never glum.
‘cause how can you be grumpy
when the sun shines out your bum?“

Nun stellt sich aber doch tatsächlich heraus, dass Glühwürmchen äusserst bösartige Viecher sind, die ihr Licht nur brauchen, um Beute anzulocken. Und die Beute? Ja, das sind in der Regel die Eltern, die in die Falle ihrer Babys flattern (Glühwürmchen werden zu hässlichen Fliegen, wenn sie erwachsen sind!). Ich bin überzeugt, Glühwürmchen sind zudem homophob und ausgesprochen rassistisch!

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DSC06519Tag 2) Schnee! Wir fuhren bis zum Tongariro Nationalpark, um den Schicksalsberg zu sehen. Anders als im Film hat er augenblicklich eine weisse Spitze, aber was will man machen? Nicht unsere Schuld, dass Frodo den Ring im Sommer zerstören wollte! Und wenn wir schon im Schnee sind, was passt da besser, als dem Trend zu folgen und zu singen: „Willst du einen Schneemann bauen?“ Ja, wir wollten, auch wenn wir rasch feststellten, dass wir einen bösen Schnee-Glühwurm geschaffen hatten, der nun im Schicksalsberg regiert.DSC06669

Tag 3) Wir fanden die Hobbits! Ich weiss nicht, ob es mir ein klein wenig peinlich sein sollte, dass ich das Hobbiton-Filmset nun bereits zum dritten Mal besuchte. Aber dann muss wiederum erwähnt werden, dass sich einiges verändert hat, seit dem letzten Mal. Inzwischen hat sich Matamata daran gewöhnt, dass Touristen die Hobbithöhlen sehen wollen und seine Fassaden entsprechend umgestaltet. Ein Pub wurde gebaut und die Höhlen dürften die nächsten fünfzig Jahre stehen bleiben.

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Ich denke, ich bin immer noch ein Hobbit, wie ich vor einem halben Jahr bereits gesagt habe! Ich bin gern an einem Ort zu Hause, ich mag meine Bücher und meine Freunde. Es hat etwas Schönes an sich, klein genug zu sein, um nicht gross aufzufallen, aber den Mut zu haben, es dennoch zu tun.