Berlin schliepdisch Alter ischwöre

In drei Wochen fahre ich nach Berlin (*kleines Fanfarenspiel bitte*), und ich finde es ganz richtig, dass die Leute ständig sagen: «Boah, wie geil!» oder: «Wow, ich bin ja so neidisch!» oder: «Ich will auch!» Ihr habt alle recht, ihr Neider!

Berlin ist mit den Jahren zu einer meiner absoluten Lieblingsstädte geworden (Lieblingsstadt #1: Bern!). Das hat überraschenderweise (für mich) wenig mit dem grossen Angebot an Diskotheken, Bars und Clubs, und noch nicht einmal mit dem «neuen» (vor ein paar Jahren war er das noch) Primark zu tun. Irgendwie hatte ich nie die Gelegenheit Berlins Nachtleben auszukosten, wenn ich da war, und zu exzessivem Shoppen kam es auch nie.

Für mich ist Berlin eine Stadt des Lebens. Es ist keine schöne Stadt, und als ich das erste Mal zu Besuch war, fühlte ich mich von dem ganzen Hype um die Deutsche Metropole regelrecht verarscht. Alles ist dreckig und laut und überall herrscht Verkehr, und wo kein Verkehr ist, drängeln die Touristen. Es dauerte seine Zeit, bis wir uns anfreundeten. Nun, da wir beste Freunde sind, muss ich aber immer noch sagen: Es ist keine schöne Stadt. Es ist eine hässliche Stadt mit schönen Flecken. Und das hat für mich so etwas unglaublich Lebhaftes; dass wir Willens sind, alles Wüste zu vergessen und nur das Schöne zu sehen!

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Berlin ist eine Stadt, die entzwei geteilt war, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Da stand einmal eine hohe Mauer, die Familien, Freunde und Liebende von einander fernhielt. Und was machten die Berliner? Sie durchbrachen diese Mauer! Ich glaube, ihr Gewissen wurde so laut, dass sie nicht anders konnten, als darauf zu hören. Und als sie dann vereint waren, Osten und Westen, rissen sie die Mauer nicht in einem Sturm von Wut und Hass nieder, sie liessen sie stehen. Und anstatt diesen Teil der Vergangenheit wie ein Mahnmal einer bösen und finsteren Zeit stehen zu lassen, machten sie eine Galerie daraus. Vor den Ruinen der Mauer veranstalten sie einen Flohmarkt. Brocken der Mauer verkaufen sie an Touristen. Es heisst immer, die Deutschen hätten keinen Humor, aber ich finde, dass sie sehr viel Humor haben müssen, um auf diese Weise mit der eigenen Vergangenheit umgehen zu können.

Berlin erinnert mich an ein Blümchen, das durch den Asphalt stösst und im Schatten wächst und blüht. Und so viele Füsse haben es schon getreten, so viele Hände wollten es ausrupfen, aber es richtet sich immer wieder von Neuem auf und blüht immer weiter. Und das ist doch, was jedes Leben ausmacht: Der Wille zum Leben. Zum Neuanfangen. Zum Fröhlichsein. Zum Blühen.

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Eine Freundin von mir hat kürzlich ein Lied geschrieben mit dem Titel Golden Memories, und als ich es mir anhörte, merkte ich erst, wie «golden» fast alle meine Erinnerungen an Berlin wirklich sind. Der Fahrradausflug mit Tamara. Der Sonnenuntergang am Wannsee. Wie Claire und ich in diesem Brunnen rangen und dann am Nordbahnhof fast einschliefen. Als Anna und ich beschlossen, uns nicht betrinken zu gehen und im Prenzlauerberg um Mitternacht Eis schlemmten. Valentina, die in Mannheim auf dem Boden lag, weil sie sich vor Lachen nicht mehr halten konnte. Bethi und ich im Bad dieser abgestandenen Bar, wo wir uns so viel zu erzählen hatte. Ingas Zug, der einfuhr, und ich war so aufgeregt, sie wieder zu sehen.

In drei Wochen fahre ich zum ersten Mal mit meiner Mama nach Berlin, und vielleicht kommen wir um den einen oder anderen Zickenkrieg nicht herum. Aber das ist, was Berlin so «golden» macht: dass alles Schlechte nicht das Gute überschatten kann.

Ciao for now!
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Alle Photos: © by Jonathan Liechti

Lübeck, die Lebkuchenstadt

Vor zwei Wochen hat das neue Jahr angefangen und ich finde ja, bisher bringt jede Wendung etwas Zauberhaftes mit sich. Zum Beispiel dieses Wochenende, das ich ganz spontan in Lübeck verbringen durfte, nachdem ich «versehentlich» ein Interrail-Ticket für Januar gekauft hatte. Kommt halt davon, wenn man nicht kontrolliert, was einem da am Schalter so ausgehändigt wird (auch wenn ich mindestens dreimal laut und deutlich gesagt habe, für welchen Zeitraum ich das Ticket eigentlich brauche – Tja, zu viel Vertraun in die Menschheit gesetzt!). Aber ohne diesen Fehler wäre ich ja womögllich auch gar nicht erst auf die Idee gekommen, meine Freundin Rike so kurz vor ihren Prüfungen um Asyl zu bitten, und dann wäre ich jetzt ein kleines Bisschen reicher, hätte aber kein schönes neues Kleid in meinem Kleiderschrank und hätte ausserdem Tobias beim Umzug helfen müssen. Gut möglich, dass er dafür auch ganz dankbar ist!

Ich fahr schon deshalb gerne in den Norden, weil einfach die Zugfahrt so unglaublich schön ist. Da liegt mal Schnee und mal liegt keiner, hier stürmt es, da scheint die Sonne, plötzlich sind da überall Windmühlen, die Häuser verändern sich, der Boden wird flach… und ich liebe dieses Gefühl von Nichts-Tun-Müssen. Acht Stunden, in denen ich ganz legitim aus dem Fenster starren darf oder mich in einem Buch vertiefen kann oder mir einfach nur die Kapuze ins Gesicht zu ziehen brauche und vor mich hin dösen kann, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was ich sonst noch alles tun müsste. Zugfahren, das ist so ein bisschen wie gestohlene Zeit.

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Am Eindrücklichsten war ja die Strecke zwischen Hamburg und Lübeck. Nicht unbedingt wegen der Landschaft, sondern einfach wegen meinen Mitreisenden: Drei harte Kerle in meinem Alter, zwei mit Bomberjacken und einer mit Hipsterschwänzchen. Die ersten zehn Minuten klingen so «Bitch»… «Alter»… «Voll geil»… «Du Hurensohn»… Dann aber nimmt der Hipster einen rosa Lippenbalsam mit Elsa-Bildchen aus seiner Jackentasche und verkündet stolz: «Den hab ich selbst ausgesucht, weil ich das Bild so schön fand!» Er gibt ihn reihum und Bomberjacke 1 verkündet selig: «Schmeckt nach Elsa!» Das allein hätte mir ja schon genügt, aber der Hipster kommt nicht umhin zu erklären, dass er Frozen bestimmt schon zehnmal gesehen hat. Woraufhin Bomberjacke 2 seinen Liebeskummer beichtet und sämtliche Nachrichten eines Mädels vorliest, das offenbar nicht mehr antwortet.
Die drei waren echt herzallerliebst!       

Lübeck ist einfach zauberschön! Es sieht aus wie eine Lebkuchenstadt und genauso fühlten sich die Tage dort auch an. Rike spielte die Rolle der Touristenführerin auch wirklich ausgezeichnet. Wir besuchten meinen Lieblingskleiderladen (den ich Rike-sei-Dank im Frühling kennenlernen durfte) und ich liess natürlich mein Geld dort liegen – bei Kleidern kann ich leider einfach nicht nein sagen. Das ist das Gleiche wie bei der Wimperntuschee, die ich nur kaufte, weil sie pink ist und Princess draufsteht. Jaja, ich weiss, das schreiben die nur, damit so Leute wie ich das kaufen, aber es macht mich eben glücklich. Bäm!

Wir besuchten natürlich auch die St. Marienkirche, weil ich steh’ ja auf Kirchen. Da steckt einfach so viel Geschichte in diesem alen Gemäuer, so viel Menschheit, die darin verbaut wurde. Und wie oft solche Kirchen auch wieder aufgebaut werden müssen – egal, ob ein Turm einstürzt wegen einem architektonischen Missgeschick oder ob eine Bombe das Schiff zersprengt, irgendwie kommen hier immer wieder Menschen zusammen und bauen sie wieder auf. Der Gedanke, dass sich hier seit Jahrhunderten immer wieder Menschen versammelt haben, um einen Gott zu preisen, der sie in so vielen Nöten wohl gar nicht erhört hat, aber die Menschen doch immer einen Grund hatten, ihr Vertrauen zu erhalten und zusammen zu kommen, das erfüllt mich doch irgendwie mit einem ehrfürchtigen Gefühl. Ob sich in den bunten Fenstern, im Klang der Glocken oder im Gold der Kirchenschätze ein Gott verbirgt oder nicht, muss jeder für sich wissen und vielleicht ist das ja auch gar nicht die Frage. Was selbst der Zweifler in diesen Gemäuern findet, ist der ungebrochene Glauben der Menschen an das Gute in der Welt, und das ist für mich das grosse Zeichen der Menschlichkeit.

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Rike und ich versuchten uns auch in der Küche, und ich will nicht sagen, unsere Versuche waren von Versagen gekrönt, aber das Falafel-Rezept war eben für nichts zu gebrauchen. Dafür war unser Fladenbrot absolut DELICIOUS! Davon hätte ich vermutlich bis zum Platzen essen können (aber ich wollte Rike ja dabei helfen, die Küche zu putzen und da erschien mir dieser Plan dann doch etwas kontraproduktiv!). Wir besuchten ausserdem das liebste Café, die Engelsbäckerei (hier hätte ich nich putzen müssen, aber daran habe ich natürlich nicht gedacht. Typisch!) – ich hatte zwar gar keinen Hunger, aber der kehrte sofort zurück, als ich vor dieser Riesenauswahl an Brownies, Shortbread und Muffins stand. Da hätte ich am liebsten Harry Potter zitiert: «Wir hätten gerne alles!»

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Sogar die Heimreise hatte noch ein Ass im Ärmel, weil mein Zug in Hannover vorbeifuhr und ich Inga für einen Tee treffen konnte. Das rundet das Wochenende doch wunderbar ab (könnte aber auch daran liegen, dass soeben der Brezelverkäufer von Kassel zugestiegen ist, der mich in ein paar Minuten beglücken wird!)

Et voilà, das wäre mein Abenteuer in Lübeck gewesen und ich kann es auch gar nicht erwarten, in zwei Wochen nach Hannover zu fahren!

Ciao for now!
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«Ganz schön cool» – Ein Tag in Freiburg

Frohes Neues Jahr euch lieben Menschen!

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Wie klappt das mit euren Vorsätzen so? Alle schon gebrochen oder erst dabei? Habt ihr das alte Jahr sanft ausklingen lassen oder habt ihr euch mit Wucht ins neue gestürzt? Wenn ich abends mein Tagebuch durchblättere, dann finde ich es doch irgendwie besonders, wie viel in so einem Jahr überhaupt Platz hat. Wie viele Reisen, wie viele Kinobesuche, wie viele Tassen Tee, wie viel Lachen, wie viel Herzschmerz, wie viele Sprachnachrichten auf WhatsApp, wie viele Tichu-Siege…

Ich endete das Jahr mit einem Ausflug nach Freiburg im Breisgau. Im Grunde sollten wir ja nur die kleine Schwester meiner Freundin Tashina und ihren Partner in Crime begleiten, um sicher zu gehen, dass die Shoppingmäuse sich nicht bei DM verbunkerten. Wir waren auch kaum aus dem Bahnhof raus, da nahmen die beiden schon Reissaus und überliessen uns unserem Schicksal. Freiburg ist einfach eine urgemütliche Stadt und wir flanierten durch die kleinen Gassen und versuchten, nichts in den Stadtbach zu fallen. Dann sassen wir zwei Stunden im Café und redeten über Gott und die Welt (aber mehr über die Welt als über Gott) und darüber, dass Leia jetzt auch eine Disney-Prinzessin ist und dass wir im neuen Jahr mutiger sein wollen und auch ein bisschen kühn und cool (aber wenn‘s geht, bitte nur vom Sofa aus).

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Am Nachmittag schweiften wir über eine Stunde durch die Regale in der Rombach-Buchhandlung, bis wir uns schliesslich da ins Café setzten und unser Gespräch wieder von vorne begann – ein bisschen Gott, viel Welt, Prinzessinnen und das neue Jahr.

Ich kann ja keine Buchhandlung betreten und dann einfach so wieder gehen. Da würden doch die Bücher denken, sie hätten etwas falsch gemacht! Ich kaufte mir Julia Engelmanns neue Gedichtsammlung Wir können alles sein, Baby, weil manchmal komme ich um fünf Uhr morgens nach Hause und dann brauche ich ein bisschen Poesie, aber eben etwas, das mir dann nicht noch mehr Kopfschmerzen bereitet. Tashina fand ihr persönliches Paradies bei Nici, und ich würde ja lügen, wenn ich sagte, dass ich da nur ihretwegen reinging. Denn – «es kann dir nichts passieren, solang‘ Du einen Bären hast, bist du nicht ganz erwachsen, ganz verloren!»

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Wir trafen zwei sehr glückliche und sehr schwer bepackte Mäuse an diesem Abend bei DM an, die ihre Taschen kaum die zweihundert Meter zum Bahnhof tragen konnten. Sie erinnerten mich ein bisschen an uns, vielleicht mit mehr Kosmetikartikeln im Beutel und den edleren Handtaschen unterm Arm, aber doch «ganz schön cool, so am Ende des Tages.»

Ciao for now!
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Der Sommer, der nie endet

Aber hallo meine Lieblingsleser!

Vor einer Weile (bevor ich meinen kleinen Blog hier für einen Monat komplett sich selber überliess, um Weihnachtsstimmung auf dem englischen Blog zu verbreiten!) scannte ich sämtliche Bilder ein, die ich während des letzten Sommers mit diversen Einweg-Kameras gemacht habe. «Der Sommer, der nie endete», erinnerte sich eine Freundin von mir, als wir im trüben Herbst gemeinsam Tee tranken. Ich mag diesen Ausdruck, weil der Sommer uns doch im Grunde immer das Gefühl gibt, er wäre für immer. Und ich erinnere mich, dass ich in der Sonne lag und wusste, dass dieser Augenblick mir Wärme für den Winter geben würde. Die meisten Bilder entstanden während einer Woche im August, die wir in Neustadt im Schwarzwald verbrachten. Im Grunde sollte es eine Arbeitswoche werden – wir wollten das Theaterstück «Da draussen bei den Heiden» einstudieren, das wir im Oktober aufführten. Irgendwie entstand daraus aber eine Bildserie, die man mit Time of my Life hinterlegen könnte.

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Ich habe einmal den Spruch gelesen:

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Und ich erinnere mich tatsächlich an wenig anderes als den Sonnenschein und das Lachen und den Moment, als wir gemeinsam im Gras lagen und Sterne zählten. Ich erinnere mich, dass Anna und ich als erste im Schwimmbad ankamen, und ich erinnere mich an Valentinas Rede zum 1. August. Und jetzt regnet es draussen und ich kann an nichts anderes denken als an diesen Sommer, der «nie endet.» Weil Sommer eben ein Gefühl ist und keine Jahreszeit.

Ciao for now!
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Die Frankfurter Buchmesse 2015 (respektive: Ich war shoppen!)

Die Zeit verfliegt nur so, wenn man jede Nacht bis vier arbeitet, hin und wieder gar nicht schläft und tagsüber an Theaterproben ist, das Schokoladenregal im Supermarkt leer kauft und sich hin und wieder in einen Hörsaal setzt. So Sachen wie Blogeinträge schreiben oder meine Katze streicheln fallen super schnell in ein Loch des verschlingenden Nichts (nur ein bisschen weniger dramatisch). Letztes Wochenende aber tat ich für einmal was ganz anderes und fuhr mit meiner Freundin Samantha an die Buchmesse nach Frankfurt.

Wir gingen das Ganze ausgesprochen professionell an. Bis Mitternacht sassen wir in der Brasserie (Lieblingsbar – WHATUP!), um ein Uhr duschte ich, während Samantha versuchte zu schlafen, um zwei Uhr lackierte ich meine Nägel (Green Berry), um halb drei beschloss Samantha, dass es wohl keinen Sinn mehr machte zu schlafen, um drei klingelte der Wecker, um viertel vor vier stand das Taxi vor der Haustür. Um neun waren wir in Frankfurt (nach einer etwas schlummrigen Zugfahrt, während der wir uns gegenseitig Gedichte vortrugen. Das heisst, Samantha tat das. Ich kenne nur die erste Seite von Harry Potter auswendig).

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Es war mein erstes Mal an der Buchmesse und ich fühlte mich natürlich wie im Siebten Himmel. So viele Bücher und so viele Menschen, die alle Bücher lieben! Ich muss zugeben, es war auch ein bisschen überwältigend. Für mich sind Bücher etwas sehr Ruhiges, ein Zufluchtsort. Und eine Buchmesse verkörpert genau das selbstverständlich nicht. Wahrscheinlich werde ich dann nächstes Jahr doch nicht noch meine Nägel lackieren anstatt zu schlafen – so viele Menschen sind eben einfach anstrengend. Andererseits fühlte ich mich wie im Disneyland, ich kam ja aus dem Staunen gar nicht mehr heraus! Besonders was die vielen Cosplays angeht. Die Leute tragen ja Kostüme, damit würde ich mich auf einem leeren Fussballfeld nicht bewegen können, geschweigedenn an einer Messe!

Ich kehrte natürlich mit einem Rucksack voller Bücher nach Hause zurück und weil ich gerade krank bin und deswegen das Haus vorübergehend sowieso nicht verlasse, stelle ich euch die gerne Mal vor. Eines Tages werde ich ja pensioniert, dann komme ich dann auch dazu, sie zu lesen!

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Ganz im Ernst, ich musste das Buch einfach haben, nachdem ich Ursula Poznanski im Interview gesehen habe. Ich war nicht nur hingerissen von ihrer umwerfenden Schönheit, sie ist auch einfach schlagfertig wie Sau! In meinem Kopf sang es die ganze Zeit: «Sie ist ‘ne Powerfrau, die alle Tricks kennt…»

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Weihnachtsmärchen von Charles Dickens

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Und ich schnalle tatsächlich erst jetzt, dass es sich um mehrere Bücher handelt!

Der Cellist von Sarajevo von Steven Galloway
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The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry von Rachel Joyce

Bild 31The Rosie Project von Graeme Simsion

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Natürlich stand ich dann auch fünfzig Minuten Schlange, um ein Autogramm von Sandra Regnier zu ergattern. Meine Schlangen-Steh-Nachbarinnen waren sehr nett und gaben mir viele viele wundervolle Lektüre-Tipps (die ich inzwischen wieder vergessen habe! *seufz* #Tedhasayellowlegalpadforareason) und Madame Regnier war absolut umwerfend.

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Das hat dann leider dazu geführt, dass wir Kerstin Gier verpassten, bei der die Schlange kein Ende nehmen wollte. Vor zwei Monaten habe ich aber einen mysteriösen Umschlag im Briefkasten gefunden, der eine Autogrammkarte und einen Schlüsselanhänger zu mir gebracht hatte. Es ist also völlig okay, dass ich ihre Stimme nicht gehört habe (Samantha meinte, sie quietscht ganz lieb!). Obwohl ich gerne nur die eine Frage geklärt hätte: Sagt man Liev oder Lüv? #Booknerdproblems

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So, dass wär‘s dann auch erst mal! Ich mache mir jetzt noch einen Tee und stalke noch ein paar Bücherblogs. Vielleicht beantwortet ja irgendwer meine Frage!

Ciao for now!
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Hoppla Hamburg!

Also, ich finde die Deutsche Bahn ja super. Echt jetzt, da erlebt man wenigstens was. Bei der SBB kannst du davon ausgehen, dass du auf die Minute genau am Ziel ankommst, und wenn es dann doch zu Verspätungen kommt, dann wegen einem technischen Schaden oder weil Schnee liegt – bei der Deutschen Bahn aber gibt es immer einen aufregenden Grund. Aus Worms kamen wir einmal nicht fort, weil ein brennender Ast auf der Leitung lag. St. Peter-Ording erreichten wir wegen einem Brückenschaden auch nur knapp. Und als ich vor zwei Wochen nach Hamburg fuhr und mich in Hannover schon diebisch freute, weil wir pünktlich waren, da tauchte doch zwischen Celle und Hamburg tatsächlich noch ein Böschungsbrand auf! Es ist, als möchte mich Deutschland einfach nicht enttäuschen, wenn es um Zugverspätungen geht! Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal in Hamburg war, befand ich, die Stadt gebe nicht viel her…

*Räusper* Liebes Altes Ich: Du spinnst doch!

Hamburg ist so toll, dass ich sogar im Clinch bin, ob denn nun Berlin oder Hamburg meine Lieblingsstadt ist!

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Ob man einen Ort mag oder nicht, ist natürlich sehr damit verbunden, in was für einem Zustand man ihn besucht. Ich war super glücklich, dorthin fahren zu können und ich fühlte mich auch die ganzen Tage hindurch so. Es hat schon was, mitten im Semester einfach aus dem Seminar zu laufen, in einen Zug zu steigen und zehn Stunden sitzen zu bleiben. Ich hatte noch so viel fürs Studium zu erledigen und es war mir einfach so egal! Ich schrieb keinen Essay, ich las das Buch über Sparta nicht und ich lernte keine Polnischvokabeln; stattdessen fand ich ein Dutzend Buchhandlungen (die ich jeweils mit einem Stapel Bücher wieder verliess), fand das versaute Pärchen im Sonnenblumenfeld im Miniaturwunderland, machte einen Teddy-Bären im Build-A-Bear-Workshop, ass Kuchen in dreissig verschiedenen Cafés, kaufte ein neues Kleid in Lübeck (Lübeck ist toll!), entdeckte das Chocoversum (ich war im Himmel!), unterhielt mich mit einem WWF-Aktivisten, der mich als neues Mitglied gewinnen wollte (abgesehen von meinem Herz gewann er aber nichts), und ich trank jeden Abend Tee mit Inga, und das war schon ziemlich cool, da können die meisten anderen Städte nämlich nicht mithalten!

Der einzige Nachteil an diesem phantastischen Programm war, dass ich eine Reihe wundervoller Leute verpasste, die da auch noch gewesen wären. Aber man soll sich ja immer etwas übrig halten für ein nächstes Mal!

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Es ist übrigens über alle Massen von Belang, Tagebuch zu führen, denn wenn du die vom Regen abgestaubten Städte und die kaleidoskopischen Kathedralen zu vergessen beginnst, dann bringen von Tintenflecken verschmutzte Seiten diese Dinge zurück ins Leben, selbst wenn sie in deiner Erinnerung allmählich verwelken.

Ich hoffe, ihr habt alle phantastische Ostern!

Ciao for now!
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Ps. hört euch Tire Swing von Kimya Dawson an

Watt los am Wattenmeer!

Ferienzeit ist, wie wir alle wissen, die schönste Zeit. Und wo erholt es sich besser als fernab von Alltag und Sorgen in einem gemütlichen Strandkorb irgendwo am Meer! Auch ich konnte es mir nicht nehmen lassen, die erste Augustwoche am Meer zu verbringen und fuhr mit Freunden nach St. Peter-Ording ans Wattenmeer.

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Obwohl ich die letzten sechs Monate in Honduras und in Neuseeland verbracht habe, zwei Länder, die für ihre wunderschönen Strände und türkisblaues Meer bekannt sind, war ich während dieser ganzen Zeit kaum einmal schwimmen. So stürzte ich mich natürlich trotz Nordsee-Wind mit Begeisterung in die Wellen.

Leuchtturm Westerhever mit Salzwiese
Leuchtturm Westerhever mit Salzwiese

Aber eines der wirklichen Highlights für mir mich war nicht das Baden, sondern der Strand an sich. Kilometerweit liegt da diese braun-graue, leblose Ebene, dazwischen stacheliges Gras, tote Krebsschalen knirschen unter den nackten Füssen, irgendwo in der Ferne lässt sich das Meer erahnen. Doch was man so leicht als leblos und fade abtut ist in Wirklichkeit ganz schön aufregend. Man braucht nämlich nicht weit suchen, um eine handvoll Herzmuscheln zu sammeln. Muscheln? Leben? Zugegeben, ich hätte Muscheln wohl auch nie als die lebhaftesten Tierchen bezeichnet, aber legt man sie an einer sonnigen Stelle in den feuchten Schlick, so beginnen sie doch tatsächlich, sich einzubuddeln. Und dann ist da eine ganze Reihe von Würmern und Krebsen, die das Meer mit der Ebbe liegen lässt. Und auch die Salzwiese ist mehr als nur trockenes, stacheliges Gras. Die Salzwiesenpflanzen sind ganz schön hart im Nehmen, denn sie kommen gut mit dem Salz des Salzwassers klar. Zum Beispiel scheiden sie das Salz durch ein so genanntes Opferblatt aus, welches das ganze Salz aufnimmt und dann schliesslich abstirbt.

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Seehund-Safari
Seehund-Safari

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass auch das Wattenmeer stark unter dem Klimawandel leidet. Durch die zunehmende Erderwärmung steigt der Meeresspiegel stetig an. Dadurch werden beispielsweise die Krebse früher vom Wasser angezogen und fressen mehr Miesmuscheln, wodurch muschelfressende Vögel wiederum keine Nahrung mehr finden. Auch die Salzwiesen können nicht schnell genug nachwachsen, werden häufiger überflutet und bieten keinen Schutz mehr für Jungvögel. Sandbänke werden geschwemmt, was bedeutet, dass Seehunde und Brutvögel ihren natürlichen Feinden wie Füchsen hilflos ausgeliefert sind. Die Liste der Konsequenzen nimmt kein Ende, und es ist schwer, sich vorzustellen, wie die Lage erst in hundert Jahren sein wird, wenn der Meeresspiegel um einen oder mehr Meter angestiegen ist!

Seehundkolonie
Seehundkolonie

Trotzdem haben wir natürlich noch lange keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken – auch wenn ich das jemandem in einem provozierten Moment gehässig empfohlen habe. Nur lohnt es sich eben bei allem Genuss am Leben nicht den Spruch von Arthur Schopenhauer zu vergessen:

Jeder dumme Junge
kann einen Käfer zertreten.
Aber alle Professoren der Welt können
keinen
herstellen.